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Learning to learn

DaF/DaZ knowledge portal "Einfach machen"

by Anke Kuhnecke

Lernen lernen

Paolo Freire: Durch Dialog lernen

Auf Paulo Freire (1921 –1997), einen brasilianischen Pädagogen und Autor, geht die in den 1960 Jahren entwickelte „Pädagogik der Unterdrückten“ zurück. Ein wesentliches Prinzip ist dabei, die Erkenntnis gemeinsam zu suchen und nicht einfach nur übertragen.

Man muss einen Zeitsprung in die 1960iger Jahre Brasiliens unternehmen, um zu erkennen, aus welcher Situation heraus Paolo Freire die „Pädagogik der Unterdrückten“ entwickelte. Die Mehrheit der Bevölkerung, und man spricht hier von 70 bis 75 Prozent, war nicht oder nur unzureichend literarisiert. Aus diesem Grund waren diese Menschen vom Wahlrecht ausgeschlossen, was bedeutet, dass sie auch keine politische Stimme besaßen.

Freire hatte zu dieser Zeit eine Professur für Pädagogik, Philosophie und Geschichte inne und engagierte sich vor allem für die Alphabetisierung Erwachsener in Brasilien. Üblich war es zu dieser Zeit dieselben Materialien und Schulmethoden, die bei Kindern angewendet wurden, auch für die Erwachsenbildung einzusetzen.

Vor allem die extrem verarmte Landbevölkerung Brasiliens fand in Freires Konzept große Beachtung. Die „Pädagogik der Unterdrückten“ hat hier ihre Wurzeln. Es war ihm wichtig, dass die jeweilige Lebenswirklichkeit der Erwachsenen in der Lehre Beachtung findet. Mehr noch ging es Paolo Freire nicht nur um den Lese- und Schreiberwerb, sondern vordergründig um eine Methode der Bewusstseinsbildung.

Dabei steht seiner Meinung nach der Dialog im Mittelpunkt. Mit Hilfe von Dialogen werden Haltungen und Erfahrungen vermittelt. Allerdings legte Freire hier großen Wert darauf, dass die Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden keine hierarchische ist. Beide Seiten lernen in diesem Dialog voneinander. Das funktioniert nur, wenn dieser Dialog auf der Basis von Liebe, Bescheidenheit, Hoffnung, Glauben, gegenseitigem Vertrauen wie auch durch kritische Haltung zustande kommt.

Das spricht auf ganz elementare Weise ein grundlegendes Erfolgsrezept für Lernen an, denn Lernen geschieht in einer vertrauensvollen Umgebung. Die Grundhaltung der Lehrpersonen, also die Rolle, die eingenommen wird, ist maßgeblich entscheidend für den Lernprozess.

Um das Lesen und Schreiben zu vermitteln, legte Freire den Fokus auf die so genannten generativen Wörter. Das sind Wörter, die aus dem unmittelbaren Lebemsumfeld der Lernenden stammen und somit von persönlicher Bedeutung und emotional aufgeladen sind. Um diese generativen Wörter sollten sich schließlich auch die relevanten Themen des Unterrichts ranken. Das ist in dem Prinzip der Lernendenorientierung, wie wir sie heute kennen, wiederzufinden.