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Guter Online-Unterricht braucht soziale Interaktion

Im Online-Unterricht muss die soziale Interaktion bewusst gestaltet werden.

Pandemiebedingt sind viele Kursleiter*innen zum Online-Unterrichten gekommen, ohne wirklich darauf vorbereitet gewesen zu sein. Dass es irgendwie funktioniert, ist eigentlich schön. Aber auch nur eigentlich, denn gutes digitales Unterrichten braucht neben geeigneten institutionellen Rahmenbedingungen und digitaler Kompetenz auch ein methodisch-didaktisches Umdenken.

Einer der grundlegendsten Unterschiede zwischen Präsenz- und Online-Unterricht besteht in der Gestaltung der Interaktion mit und zwischen den Lerner*innen. Nehmen wir einmal das Beispiel des gelenkten Unterrichtsgespräches.

Im Präsenzunterricht befinden sich alle im selben Raum und sitzen bestenfalls so, dass sie sich ansehen können. Das bedingt, das Blicke gezielt miteinander getauscht werden oder dem Nachbarn ein „Ja, das ist bei mir auch so.“ zugemurmelt wird. Ganz viele Informationen sind beiläufig und gesprächsbegleitend im Raum, ohne dass das eigentliche Gespräch gestört wird. Diese „Nebeninformationen“ gehören einfach dazu.

Der Online-Unterricht dagegen zwingt bei derartigen Gesprächen den Akteuren eine straffe Linearität auf – Wenn man so will, geschieht alles nacheinander. Online ist jedes Nebengeräusch de facto eine Störquelle. Es kann immer nur einer sprechen. Jedes Gemurmel („Ja, das ist bei mir auch so.“) geht in der allgemeinen Geräuschkulisse unter. Außerdem kann man sich zwar sehen, aber nicht richtig ansehen, wodurch die nonverbalen Feedbacksignale sehr vage bis gar nicht vorhanden sind.

Unterrichtgespräche online unterliegen anderen Regeln. Alle, die etwas sagen wollen, sollten sich mit Handzeichen anmelden. Der oder die Gesprächsleiter*in muss viel deutlicher klar machen, wer alles als nächstes und in welcher Reihenfolge drankommt. Außerdem sollten die Lerner*innen sich aufschreiben, was sie sagen möchten, damit es sie es nicht vergessen haben, bis sie dran sind. Unterrichtsgespräche sind online viel ermüdender und der soziale Austausch, das was „nebenbei“ passiert, ist erschwert.

Um dennoch im Online-Unterricht ein positives Gruppenklima herzustellen, ist es wichtig, auch den sozialen Austausch bewusst zu gestalten. Mit anderen Worten – er muss eingeplant werden. Die Lerner*innen sollten z.B. die Möglichkeit haben, miteinander zu chatten, ihre Stimmungen und Gefühle zu äußern, zu posten, zu tanzen oder aufzumalen. Feedback sollte viel bewusster und öfter als im Präsenzunterricht eingeholt werden und das ebenfalls auf ganz unterschiedliche Weise. Guter Online-Unterricht lebt von den kleinen sozialen „Snack“ dazwischen.  

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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