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Was tun mit Fließend-Falsch-Sprecher*innen?

Eine große Gruppe Lernender sitz an einem Tisch und bearbeitet gemeinsam Lernmaterialien. Alle lächeln.

Im Umgang mit Fließend-Falsch-Sprecher*innen gibt es kein Geheimrezept. 

Allerdings ist es ein Schritt in die richtige Richtung sich als Kursleiter*in bewusst zu machen, wie es überhaupt zur Fossilierung von Sprache kommt. Auch die Motivation und individuellen Bedarfe sollte man kennen, denn Lerner*innen kommen mit ganz unterschiedlichen Zielen in den Deutschunterricht für Erwachsene. Manche wollen eine Ausbildung beginnen, anderen reicht es, wenn sie ihren Alltag bewältigen können. Die individuelle Motivation der Lerner*innen gilt es anzuerkennen. 

Ebenso wie die Tatsache, dass die Förderung von Fließend-Falsch-Sprecher*innen ihre Grenzen hat. Schließlich gibt der kommunikative Erfolg fließend-falsch-Sprecher*innen oftmals die Bestätigung, dass man im Alltag auch ohne Regelkenntnis klarkommt. Hier zählen vor allem die Prämisse Inhalt vor Form und Lexik vor Grammatik. (U.Becky. Fließend-Falsch-Sprechende fördern.) Sobald Lerner*innen einen persönlichen Mehrwert darin finden, ein höheres Sprachniveau zu erlangen, gelingt es ihnen auch das Lernplateau der fossilierten Sprache zu verlassen.

Das Ziel ist, eine bedingte Regelhaftigkeit stückchenweise an die Stelle der fossilierten Formen zu rücken. Automatisierte, fossilierte Sprachformen bleiben dabei vorerst gleichwertig neben neu erlernten, regelhaften Sprachformen bestehen. In diesem Prozess geht es vor allem darum, Sprachbewusstheit (Language Awareness) weiterzuentwickeln oder überhaupt auszubilden.

In der Hirnforschung wurde inzwischen nachgewiesen, dass nachhaltiges Lernen durch entdeckendes Lernen erfolgt. Explizites Regelwissen hilft gerade Fließend-Falsch-Sprecher*innen wenig. Im Unterricht mit Fließend-Falsch-Sprecherinnen stehen demnach das Entdecken und Anwenden von Regeln weit vor dem Erklären von Grammatik. Für den Unterricht bedeutet das, den ungesteuerten Spracherwerb weitestgehend nachzuahmen. Allerdings mit den Vorteilen des gesteuerten Lernens. Wie sieht das aus? 

Die Lerner*innen werden in möglichst authentischen Situationen gebracht, in denen sie in und mit der Sprache spontan handeln müssen. Allerdings mit einer Reduktion des Sprachmaterials und der -Situation. Automatisch ablaufende Muster können nicht durch Regelwissen gestoppt werden, aber durch neu ablaufende Regeln, die automatisiert und bewusst gemacht werden. Dass das nicht von heute auf morgen gelingt, liegt auf der Hand. Insofern gehört Geduld dazu, und zwar auf beiden Seiten: bei Kursleiter*innen und Lerner*innen. 

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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