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Multikollektivität versus Interkulturalität

Eine Gruppe Lerner*innen bearbeiten lächelnd ihre Arbeitsblätter.

Zwei Begriffe, zwei Konzepte.

Hinter dem Begriff der Multikollektivität verbirgt sich die Annahme, dass die individuelle Identität aus einem Vielfachen besteht und nicht auf Land/Nation, Ethnie oder Religion begrenzt werden kann. (Hansen, 2009). Der Begriff der Multikollektivität bezeichnet also die Zugehörigkeit einer Person zu einer Vielzahl von Kollektiven. So kann jemand aus Italien stammen, deutsche Eltern haben, Fußballfan sein und die französische Küche lieben.

Dem Ganzen liegt die Idee des Kollektivs zugrunde. In einem Kollektiv werden einzelne Individuen mit einem gleichen Merkmal zusammengefasst. So können Menschen, die vegan essen oder bevorzugt Cappuccino trinken, zusammengehören. Von diesen Merkmalen können weitere abhängen, die dann zusammen eine Kultur bilden. Kultur und Kollektiv beschreiben demnach dasselbe Phänomen aus unterschiedlichen Perspektiven. Multikollektivität bedeutet an dieser Stelle auch, dass die Identität einer Person über den Kontakt mit den bestehenden Bezugsgruppen ausgebildet wird, also aus der Kollektivität heraus entsteht.

Die zentrale Idee der Multikollektivität ist die Erkenntnis, dass diese vielfältigen Zugehörigkeiten des Einzelnen ein konstitutives Element menschlicher Existenz bilden. Dahinter steht auf jeden Fall ein verändertes Verständnis des Einzelnen und seiner Individualität (Rathje 2014).

An dieser Stelle ist die Abgrenzung zum Begriff der Interkulturalität zu finden. Das Konzept der Interkulturalität ist bereits in den 1990er Jahren in die Kritik geraten (Welsch 1994). Dies vor allem, weil es suggeriert, dass unterschiedliche Kulturen sich klar abgegrenzt gegenüberstehen. So wird hier beispielsweise davon ausgegangen, dass es im Kontakt von Individuen allein aufgrund ihrer Prägungen, beispielsweise durch die Nation, zu Schwierigkeiten in der Kommunikation kommen kann. Grund für mögliche Komplikationen können unterschiedliche Werte und Umgangsformen sein. So könnte es bei einem aus Japan und einem aus Deutschland stammenden Mann bereits bei einer Begrüßung zu Missverständnissen kommen, da unterschiedliche Gesten und Gepflogenheiten benutzt werden. In Trainings zum Thema der interkulturellen Kompetenz wird genau auf solche Unterschiede vorbereitet.

Im Konzept der Multikollektivität werden dagegen die möglichen Übereinstimmungen in den Fokus gestellt. Beide Männer, aus Japan und aus Deutschland, könnten ebenso Väter sein, das Angeln lieben und leidenschaftlich gern Radfahren. Durch den Begriff der Multikollektivität lässt sich ein Individuum also mehrfach zuordnen, dem Kollektiv der Läufer*innen, der Country-Fans und der Katzbesitzer*innen, was über eine einzige Zugehörigkeit zu Nation, Ethnie oder Religion hinausführt.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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