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Identifikation mit Lehrwerkscharakteren – Wozu?

Fast alle Lehrwerke beinhalten heutzeutage fiktive Charaktere – muss das sein?

Warum sind aus Lehrwerken die vielen Personen mit Namen, Gesichtern und Geschichten, die die Lerner*innen teilweise sogar durch mehrere Lehrwerksbände begleiten, nicht mehr wegzudenken? Identifikation ist die Idee dahinter und meint psychologisch betrachtet das sich Hineinversetzen in die Rolle oder die Situation einer anderen Person. Dabei kann man die Handlungen und Motive dieser anderen Person nachvollziehen. Man kennt deren Gedanken und ist in der Lage diese zu beurteilen.

Es bleibt die Frage offen, warum das unbedingt im Deutschunterricht passieren soll. Ganz einfach: weil es Emotionen auslöst und Emotionen sind das A und O im Lernprozess. Lerninhalte, die die Lerner*innen emotional berühren, haben tatsächlich die Chance auch verarbeitet zu werden. Spaß bei der Sache ist nicht von ungefähr einer der Faktoren für gelingenden Unterricht.

Da Menschen soziale Wesen sind und es ein Grundbedürfnis ist, Verbindungen und Kontakte zu anderen Menschen herzustellen, funktioniert auch die Identifikation. Nicht nur reale Menschen, Freunde, Familie, die Kursleitenden können bei den Lerner*innen Emotionen auslösen. Auch fiktive Charaktere z.B. aus Filmen oder eben aus Lehrwerken, eigen sich als Auslöser für eine Art Familiengefühl. Durch den wiederkehrenden und über einen längeren Zeitraum andauernden Kontakt zwischen den Charakteren aus den Lehrwerken und den Lerner*innen kann das Gefühl entstehen, diese Personen genauso gut, wie einen Freund zu kennen. Das wird das Identifikationspotenzial genannt. (Grebe 2012)

Durch den Einsatz von Fotos von Menschen im Unterricht kann die imaginative Auseinandersetzung mit diesen Personen, mit deren Gedanken und Gefühlen, angestoßen werden. Etwas überspitzt gesagt, sind am Ende alle wie eine große Familie – die Teilnehmer*innen im Kurs und die Protagonisten der Bücher. Das wäre sogar wirklich schön, denn: Lernen braucht eine vertrauensvolle Umgebung und eine Familie bietet das (jedenfalls meistens).

Die Personen in den Büchern müssen übrigens nicht genauso wie die Lerner*innen sein, damit die Identifikation klappt. Ähnlichkeit ist kein Faktor, der erfüllt werden muss. Wichtig ist, dass man in die Person hineinsehen kann, ihre Gefühle und Motive nachvollziehen kann. Das ermöglicht den Weg zur Identifikation. Es braucht also eine narrative Struktur, in der man immer mehr über die Person erfährt. Lassen Sie also zu, dass Ihre Lerner*innen die Personen des Lehrwerkes, mit dem sie arbeiten, so richtig kennenlernen.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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