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August 2018

Wie viel Grammatik braucht der Mensch?

Brauchen die Teilnehmenden im Sprachunterricht grammatische Regeln oder nicht? – Das ist nicht die Frage: Es geht lediglich um das WIE.

Wie so oft lohnt sich bei der kritischen Frage „Grammatik ja oder nein?“ ein Blick in den gemeinsamen europäischen Referenzrahmen (GER) und auf dessen Empfehlungen hinsichtlich der zu erwerbenden Sprachkompetenz. Die grammatische Korrektheit wird am Maßstab der Verständlichkeit gemessen. Ein Grundsatz, der sich auch durch den gegenwärtigen Sprachunterricht zieht – weg vom expliziten Regelwissen hin zu Anwendbarkeit von Sprache.

Für den DaZ-/DaF-Unterricht bedeutet das, dass Grammatik nicht als isoliertes System gelehrt, sondern in alltagsnahe Kommunikationssituationen eingebettet wird. Hier fand ein radikaler Wechsel von Grammatikunterricht hin zu Grammatikvermittlung statt. Einfach ausgedrückt: die Analyse der Sprache steht nicht mehr im Zentrum des Unterrichts.

Dies ist allerdings auch der Punkt, an dem Kritiker gern einhaken. Wie kann man als erwachsener Lerner eine Fremdsprache gänzlich ohne Regelwissen beherrschen? Schließlich helfen die Abstraktion wie auch das Wissen um wiederkehrende Muster (nehmen wir einmal ganz grundsätzliche Beispiele wie die Konjugation, die Adjektivdeklination oder einfache Syntaxregeln), um sich im Dickicht der Fremdsprache mit ein paar Krücken vorwärtszubewegen.

Eine der Leitfragen zum Umgang mit Grammatikwissen im Unterricht ist, ob die Bewusstmachung der sprachlichen Formen und Strukturen dem Teilnehmenden an dieser Stelle tatsächlich weiterhelfen oder ob die Nachahmung/Imitation einer Struktur (Redemittel/Chunks) erst einmal ausreichend ist. Unterstützt also die explizite Grammatikdarstellung die Verwendung der Sprache in der konkreten Situation? Auch die Fragen, wie die Regel schließlich vermittelt wird und wie viel Metasprache notwendig ist, kommen hierbei ins Spiel.

Die Antworten darauf liefern immer die Teilnehmenden. Lernende mit Vorwissen über Struktur und Aufbau von Sprachen fordern oftmals das Bewusstmachen der Regeln ein. Für diesen Lern-Typ gilt: Neue grammatische Strukturen kann er besser erwerben, wenn er sie versteht. Das Regelwissen braucht er für die selbständige Sprachverwendung wie auch zur Selbstkorrektur.

Lernungewohnten Teilnehmenden dagegen hilft man eher, wenn man ihnen eine induktive Grammatikvermittlung anbietet. Sie wollen anhand konkreter Beispiele die neue Struktur erwerben. Für diesen Lern-Typ sollten lediglich einfache, überschaubare Regeln (wie das Konjugationssystem) bewusstgemacht werden. Diese Lernenden können sprachliche Formen auswendig lernen und anwenden, ohne sie theoretisch zu verstehen. Damit ist auch für sie der Weg in die kommunikative Handlungsfähigkeit geebnet. Da allerdings der Transfer, also die Übertragung der grammatischen Regeln auf andere Situationen, nicht vorausgesetzt werden kann, ist für diesen Lern-Typ eine längere Anwendungs- und Wiederholungsphase einzuplanen.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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