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März 2018

Wie kommen neue Wörter in den Kopf?

Wortschatzvermittlung ist eines der großen Themen im Sprachunterricht. 

Der Gesamtwortschatz der deutschen Gegenwartssprache wird auf 300.000 bis 500.000 Wörter geschätzt. Ein deutschsprachiger Durchschnittssprecher gebraucht aktiv zwischen 12.000 und 16.000 Wörter, schriftlich wie mündlich. Der rezeptive Wortschatz, die Wörter also, die er lediglich verstehen kann, umfasst mindestens 50.000 Wörter.

Für das Erlernen einer Fremdsprache ist der Aufbau des Wortschatzes elementar. Der Grundwortschatz des Deutschen umfasst zwischen 1000 und 1200 Wörter (je nach Studie). Mit diesen relativ wenigen Wörtern kann man bereits 85 bis 90 Prozent der Texte (in Abhängigkeit von der Textsorte) entschlüsseln. 

Ein Lerner auf A1-Niveau sollte ungefähr 600 Vokabeln aktiv beherrschen, auf A2 sind es ca. 1200 Vokabeln, auf B1 ca. 2500 und auf B2 ca. 3000 Vokabeln. Ganz abgesehen davon, dass das Vokabelpauken keinem erspart bleibt, ist die Wortschatzvermittlung ein wesentlicher Bestandteil des Unterrichts, die in definierten Phasen ablaufen sollte. 

Der erste Schritt ist die Bedeutungsklärung der neuen Vokabel. Das kann als Erklärung durch den Kursleitenden erfolgen oder durch selbstständiges „Herausfinden“ (Wörterbücher, Kontext, Fragen). Der Bedeutungsklärung sollte die Verständniskontrolle folgen, die eine wichtige didaktische Funktion innehat. Das Verständnis einer Vokabel sichert ganz banal das Behalten und Wiedererkennen ab. Erst danach folgt die Phase des Anwendens der neuen Wörter, für die gilt: Alles was vernetzt, hilft. 

Für die Phase der Bedeutungsklärung haben sich Techniken bewährt, die die Wortbedeutung durch authentisches Material erklären. Vor allem der Einsatz von Fotos, Bildern, Collagen oder auch Videos und Filmen. Hierbei wird mit Verknüpfungen von Wort und Visualisierung gearbeitet, was auch eine wichtige Methode für das Memorisieren ist. 

Ebenso relevant sind Techniken, die den Kontext einbeziehen, indem die neue Vokabel aus dem Satz- oder Textzusammenhang erschlossen wird. Hier bietet sich unter anderem auch das Arbeiten mit Antonymen an, übrigens bereits im Anfängerlevel (z.B. beim Thema Adjektive: groß und klein, alt und neu usw.). 

In der Anwendungsphase ist das Hierarchisieren neuer Vokabeln sehr wichtig. Über- oder Unterordnen hilft, neuen Wortschatz besser zu behalten. Das Ordnen kann nach Gemeinsamkeiten oder Unterschieden, nach Gruppen oder auch durch Assoziationen erfolgen. In die Anwendungsphase gehört unbedingt auch das Bilden von Beispielsätzen durch die Teilnehmenden. 

Es reicht nicht, den Teilnehmenden neue Wörter in den alt hergebrachten Vokabellisten und Tabellen zur Hand zur geben. Erst das Arbeiten mit den neuen Vokabeln in Sätzen und Kontexten sorgt dafür, dass neue Wörter später auch wieder abrufbar zur Verfügung stehen. 

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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