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April 2019

Was tun bei Sprechangst?

Weit verbreitet – auch im Fremdsprachenunterricht: Wie Sie mit Sprechangst umgehen.

Jeder hat das irgendwann schon einmal erlebt: Man soll ein Referat halten oder eine Rede vor größerem Publikum. Alle Augen sind auf einen gerichtet und plötzlich ist man wahnsinnig aufgeregt. Der Puls rast, die Hände schwitzen, die Atmung galoppiert als ginge es um einen Hundertmetersprint.

Legt man dann los, kann es sein, dass die Stimmlage viel zu hoch ist, die Sprechmelodie viel zu monoton oder das Tempo immer schneller wird: Man sucht nach Worten, unpassende Pausen entstehen und man verhaspelt sich oder kommt ins Stocken. Außerdem wird der Augenkontakt mit dem Publikum vermieden, die Körperhaltung ist angespannt und man zappelt regelrecht mit den Händen.

Sprechangst tritt vor allem in Situationen auf, die ohnehin mit Stress und Angst besetzt sind, so wie Prüfungssituationen, ein Referat vor der Gruppe halten, in einer Vorstellrunde sprechen oder einfach nur etwas im Unterricht vor der Gruppe sagen. Betroffene versuchen solche Situationen eigentlich zu vermeiden. Im Sprachunterricht wird das allerdings schwierig.

Das Dilemma bei Menschen mit Sprechangst oder auch Sprechhemmung ist, dass sie sich nicht nur vor Kritik und Bewertung durch andere fürchten. Sprechängstliche stufen darüber hinaus auch ihre eigenen Leistungen grundsätzlich schlechter ein als sie tatsächlich sind. Der innere Kritiker hat bei ihnen ein ganz mächtiges Sprachrohr. We nn jetzt noch Publikum dazu kommt, vor dem gesprochen werden muss, also die gesamte Aufmerksamkeit auf der Person ruht, geht die Stressspirale so richtig los. Übrigens egal, ob in der Muttersprache oder der Fremdsprache. In der Fremdsprache kommt erschwerend hinzu, dass Erwachsene viel weniger (als übrigens Kinder) bereit sind, das Gefühl der Unzulänglichkeit auszuhalten.

Was kann man also im Unterricht tun, um es Teilnehmenden mit Sprechangst leichter zu machen? Ganz elementar ist eine positive und entspannte Kursatmosphäre, wie sie grundsätzlich für Lernprozesse eine wichtige Voraussetzung ist. Bei Sprechangst und Sprechhemmung ist eine Fokusänderung von der Performance vor Publikum hin zu Interaktion mit anderen Teilnehmenden der Schlüssel. Gruppen- oder Partnerarbeit nimmt den Betroffenen den Stress. Sie reden praktisch, wenn alle reden. Kuggellager oder Stationenarbeit bieten sich an.

Auch dramapädagogische Elemente beinhalten viele Möglichkeiten, Menschen mit Sprechangst einzubinden. Im Theater oder Film ist es durchaus üblich, Statistenrollen zu vergeben. Ein Statist ist Teil des Stückes, ohne dass er etwas sagen muss. Das kann man so auch im Unterricht stattfinden lassen, wenn beispielsweise Rollenspiele auf dem Markt durchgeführt werden und ein Teilnehmender, der Passant mit dem Regeschirm ist. Auf diese Weise kann der Teilnehmende üben, vor Publikum zu agieren, muss aber nicht sofort seine größte Angst besiegen.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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