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August 2019

Von den alten Karatemeistern lernen

Was haben Deutschlernen und Karate gemeinsam? – Wenn man genau hinsieht, eine ganze Menge.

Lernen, egal was, läuft im Grunde genommen immer gleich ab. Vor allem aber braucht es Zeit und Übung. Für das Sprachenlernen im Speziellen benötigt man darüber hinaus noch Wissen über komplexe Regeln und genau an dieser Stelle befindet sich der Link zum Karate.

Um es ganz allgemein auszudrücken, besteht Karate aus einer Vielzahl von sehr komplexen Bewegungsabläufen. Bevor ein Karateka, also eine Person, die Karate betreibt, seine Fertigkeiten im Kampf erproben darf, ist er mit dem Training der einzelnen Formen (so werden die Bewegungsabläufe genannt) beschäftigt.

Unter Anleitung des Trainers führt der Karateka den reinen Ablauf einer Form aus. Immer wieder. Dabei verliert er sich erst einmal nicht in Einzelheiten. Es interessiert nicht so sehr, ob beispielswiese die Kraft oder die Fußstellung stimmen. Es geht zuerst nur um die Ausführung der Technik, um diese zu verinnerlichen. Praktisch betrachtet, werden die komplexen Bewegungsabläufe im Karate in viele kleine Einheiten zerlegt, die nacheinander so lange in verschiedenen Schwierigkeitsstufen trainiert werden, bis der Körper sich sozusagen von ganz allein an die Bewegungen erinnert, die im Laufe der Zeit immer weiter präzisiert werden.

Wenn man nun die komplizierten Bewegungsabläufe im Karate mit den Anforderungen an Kommunikation in einer Fremdsprache gleichsetzt, wird schnell klar, dass es auch hier gilt, die komplexen Anforderungen in Einzelschritte aufzubrechen, um diese so lange zu wiederholen, bis sie praktisch von allein funktionieren.

Nehmen wir beispielsweise eine für den Deutsch-Test für Zuwanderer (DTZ) notwendige Schreibaufgabe, wie das Verfassen einer Email, um eine Waschmaschine zu reklamieren. Um diese Aufgabe zu meistern, sind eine Vielzahl an Teilfertigkeiten notwendig: Angefangen bei der Beherrschung des lateinischen Schriftsystems, über das Wissen um Anrede- und Grußformeln, Redewendungen um Missfallen oder Reklamation auszudrücken, den Satzbau des Deutschen samt Zeichensetzung bis hin zum grundsätzlichen Aufbau einer Email.

Wie im Karate ist es äußerst sinnvoll, wenn die Lernenden die einzelnen Teilfertigkeiten schrittweise trainieren. Und zunächst auch hier, ohne auf die Feinheiten zu achten. Lernen durch Chunks und Automatisierung sind probate Wege, vor allem im niedrigschwelligen DaZ-Unterricht. Für den didaktischen Aufbau einer Unterrichtsstunde ist daher das auf ein Ziel fokussierte Training von Einzelkomponenten elementar.

Eine Höraufgabe im Kursbuch beinhaltet immer auch eine Leseaufgabe, Wortschatztraining, Kontextwissen o.ä. Es ist hilfreich, wenn Kursleitende sich diese notwendigen Einzelanforderungen bewusst machen und aufeinander aufbauend mit den Lernenden immer wieder üben. Schritt für Schritt können die Lernenden so zum Ziel begleitet werden.

Oder um es mit den Worten des berühmten Kampfkünstlers Bruce Lee (zwar nicht Karate, sondern Wing Chun Kung Fu, aber genauso komplex), auszudrücken: „Ein Ziel ist nicht immer zum Erreichen da, oft dient es nur zum richtigen Zielen.“

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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