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Oktober 2019

Vom Umgang mit professioneller Distanz

Auf das richtige Verhältnis von Nähe und Distanz kommt es an.

Im Deutschunterricht mit Erwachsenen ist das richtige Verhältnis von Nähe und Distanz zwischen Kursleitenden und Teilnehmenden ein sehr wichtiges Thema. Die Kurse dauern oft über viele Monate an, mehrere Stunden täglich. Dabei werden Kursleitende oft zu wichtigen Bezugspersonen für die Teilnehmenden.

Der professionelle Umgang mit dem Thema Beziehungsgestaltung zwischen Lehrperson und Lernenden ist ein komplexes Thema, zumal eine vertrauensvolle Lernumgebung, die auf einer positiven Beziehungsgestaltung beruht, eine Voraussetzung für gelingende Lernprozesse ist.

Die richtige Balance ist also wichtig, um auf der einen Seite das Zuviel an emotionalem Engagement, das auf die Gesundheit geht, zu verhindern, aber auch um das Erstarren und die Freudlosigkeit, die unweigerlich mit gefühlloser Distanz verbunden sind, aufzubrechen.

Ein gutes Maß an Beziehungskompetenz im professionellen Kontext erfordert auch das Wissen darum, wie professionelle Distanz hergestellt werden kann. Für Kursleitende heißt das unterm Strich, sich vor Überlastung zu schützen. Für die Teilnehmenden verhindert dies, in ein Abhängigkeitsverhältnis zu geraten.

Zuerst einmal sollte das eigene Aufgabenfeld nie aus den Augen verloren werden, oder anders gesagt der Rahmen, in dem man seine Wirkung entfaltet. Als Kursleitender ist man automatisch Ansprechpartner für Ämtersorgen und persönliche Fragen der Teilnehmenden. Bleibt dabei die Vermittlung der deutschen Sprache im Fokus, so liegt auf der Hand, dass viele der Ämterbriefe und persönlichen Themen durchaus zu Unterrichtsinhalten werden können, anonymisiert und mit Erlaubnis der Teilnehmenden.

Der positive Nebeneffekt ist, dass auch andere davon profitieren, der Austausch in der Gruppe möglich ist und die Teilnehmenden bestenfalls Ideen erhalten, wie sie ihre Probleme am Ende allein lösen können. In die gleiche Richtung geht das Thema Erreichbarkeit. Als Kursleitender sollte man nicht in jeder Pause im Raum bleiben, übrigens auch um den Teilnehmenden mal das Abschalten zu ermöglichen.

Der Umgang mit persönlichen Informationen, von der Telefonnummer angefangen bis hin zu Geschichten über die eigene Familie oder das eigene Leben, ist ein ganz wichtiger Punkt. Man sollte sich jederzeit bewusst sein, dass ein Austausch solcher Informationen immer Nähe erzeugt. Eine Abgrenzung könnte man hier durch das Siezen erreichen. Siezen an sich signalisiert immer professionelle Distanz.

Ein ganz anderer Aspekt, um als Kursleitender professionelle Distanz auch auf Dauer wahren zu können, ist eine ausgeglichene Work-Life-Balance. Bleibt keine Zeit mehr für persönliche Interessen, für Freunde und Familie oder einfach zum Spazierengehen, ist die Balance angeschlagen und der emotionale Stress steigt, was anfälliger für Misserfolg und Belastungen im Unterrichtsalltag macht.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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