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Oktober 2017

Vom Lesen (Teil 1)

Die Rolle von Vorwissen beim Leseverstehen

Texte sind in unserer Kultur allgegenwärtig. Das Lesen ist eine der wichtigen Grundkompetenzen zur Alltagsbewältigung. Mit Vorwissen in der Tasche geht es besser.

Lesen ist ein aktiver Prozess und ein äußerst komplexer Vorgang. Allein die Tatsache, dass es möglich ist, einen Text lesen zu können, ohne ihn zu verstehen, gibt einen Hinweis auf die verschiedenen Teilprozesse, die beim Lesen gleichzeitig ablaufen. Diese Teilprozesse finden auf der Wort-, Satz- und Textebene statt.

Auf der Wortebene werden Buchstaben wie Wörter mitsamt ihrer Bedeutung erfasst. Auf der Satzebene werden semantische und syntaktische Relationen gleichermaßen verarbeitet. Vor allem bei komplexen Sätzen kann man beobachten, dass die syntaktisch-semantische Struktur des Satzes in ihre Bestandteile zerlegt und die Beziehungen untereinander analysiert werden müssen. Bei guten Lesern funktioniert dieses Erkennen von syntaktischen Einheiten automatisch. Im DaZ-Unterricht ist die Analyse auf Satzebene, vor allem in komplizierten Texten, eine wesentliche Strategie für das Trainieren der Lesefähigkeit in der Fremdsprache.

Auf der Textebene werden die Sätze in Bedeutungseinheiten integriert. Dabei spielt vor allem das Vorwissen eine entscheidende Rolle, und zwar in einem solchen Umfang, dass Defizite schlechterer Leser durch Vorwissen fast vollständig ausgeglichen werden können. Das konnte in verschiedenen Studien nachgewiesen werden.

Lesen ist, wenn man so will, eine interaktive Fertigkeit. Aus dem Gelesenen wird durch den Leser eine Bedeutung konstruiert. Die Wechselwirkungen zwischen Informationen aus dem Text und den Kenntnissen, die der Leser bereits besitzt, macht das Leseverstehen und den Umgang mit dem Text erst möglich.

Für den Kurs heißt das, im Umgang mit Lesetexten muss das Vorwissen der Teilnehmenden aktiviert werden. Das geschieht u.a. durch Überschriften, Bildunterschriften oder Schemata, die wie ein Rahmen den eigentlichen Text umspannen. Es geht darum, bewusst zu machen, über welche Informationen die Teilnehmenden bereits verfügen. Dazu eigenen sich Mindmaps oder andere Brainstorming-Instrumente.

Häufig ist das Aktivieren von Vorkenntnissen im DaZ-Kurs mit Wortschatzarbeit verbunden. Eine Annäherung kann auch über Fragen zum Thema erfolgen, die die Teilnehmenden selbst formulieren, in dem sie eine Art Reporterrolle einnehmen.

Schon Bernhard von Clairvaux sagte: „Lesen ohne Nachdenken macht stumpf; Nachdenken ohne Lesen geht irre.“

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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