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April 2017

Überforderung und Unterforderung

Wie wirkt sich Über- oder Unterforderung auf den Lernprozess aus und woran erkennt man sie?

Über- und Unterforderung – beides sollte unbedingt vermieden werden. Aber wie wirkt sich Über- oder Unterforderung eigentlich auf den Lernprozess aus und woran erkennt man, ob ein Teilnehmer über- oder unterfordert ist?

Bei dauerhafter Fehlbelastung geht das freudvolle Gefühl des völligen Aufgehens in einer Tätigkeit verloren. Egal ob nach oben oder nach unten – die Folgeerscheinungen sind die gleichen: Müdigkeit, Lustlosigkeit, auch Gereiztheit oder Frustration, bis hin zu krankhaften Depressionen.

Im DaF-/DaZ-Unterricht haben bei Unterforderung entweder die Situation oder das Thema für den Lernenden keine subjektive Bedeutung. Der Schwierigkeitsgrad der Aufgabe liegt unter dem Leistungsniveau. Bei Überforderung dagegen kommt der Teilnehmer an seine Grenzen, auf Deutsch zu kommunizieren oder die Aufgabe zu lösen, weil ihm dafür die benötigte Kompetenz fehlt oder weil er selbst die Einschätzung hat, im fehle das Vermögen.

So kann eine mit viel Text überladene Buchseite im Anfängerunterricht das Gefühl der Überforderung erzeugen. Der Teilnehmer weiß nicht, wo er anfangen soll, möglicherweise ist Zeitdruck dabei und vielleicht sind drei andere in der Gruppe längst fertig.

In der Regel steigen überforderte Teilnehmer an der Stelle aus, laufen bestenfalls noch gutwillig im Unterrichtsgeschehen mit, aber das Gefühl, die Kontrolle über den Lernprozess zu haben, haben sie innerlich längst abgegeben. Der unterforderte Teilnehmer ist dagegen nicht ausgelastet, ist schneller als der Rest und der Unterricht geht an ihm vorbei.

Abhilfe schafft man mit Erfahrungsaustausch. Nach Selbstlernphasen oder neuen Übungstypologien muss das Feedback, ob es einfach oder schwer war, eingeholt werden. Damit hat man eine Art Lernstandspegel eingeführt. War die Aufgabe schwer, muss nachgefragt werden, was schwer war. Die Furcht vor Misserfolg führt zu Passivität. Die Teilnehmer lernen so, bei Unklarheiten selbstständig Hilfe einzufordern.

Man holt alle wieder ins Boot, gibt den Raum, das Problem zu reflektieren und kann nach Lösungsstrategien suchen. Die Teilnehmer trainieren neben den wichtigen Schritten hin zur Lernerautonomie gleichzeitig das Fragenstellen, Meinung äußern usw.

Überforderung kann übrigens auch ein Weg sein, die Teilnehmer an ihre Grenzen zu führen und ihre Leistungsbereitschaft herauszufordern. Das funktioniert, wenn die Erfolgskriterien, die Leistungserwartungen und das Ziel bekannt sind.

Über- und Unterforderung sind eigentlich wie zwei hochrote Signallampen, die den Lehr- und Lernprozess überwachen. Man testet ständig, ob eine der beiden Signallampen aufleuchtet. Der einfachste Weg ist, die Teilnehmer selbst zu fragen. Danach kommt man mit dem Apothekerkoffer der Binnerndifferenzierung wunderbar weiter.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

Bild (c) Fotolia, Alexander Raths

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