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März 2019

Total Physical Response (TPR)

TPR wurde für das Sprachenlernen im Vorschul- und Grundschulalter entwickelt – warum also nicht auch bei lernungewohnten Teilnehmenden anwenden?

Total Physical Response (TPR) ist eine Methode der Fremdsprachenvermittlung, die auf reinem Hörverstehen und entsprechendem Hörhandeln basiert. Bereits in den 60er Jahren zeigte J. Asher, dass er Kindern im Grundschulalter, die keinerlei Vorkenntnisse im Japanischen hatten, durch die Arbeit mit Anweisungen, also gut verpackten Befehlen (commands), ziemlich erfolgreich die Sprache beibringen konnte.

Im Mittelpunkt dieser Vorgehensweise steht die Bewegung der Lernenden. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Bewegungen nachhaltig und effektiv auf den Lernprozess wirken. In der lerntheoretischen Forschung geht man davon aus, dass über den Bewegungssinn zusätzliche Informationen über den Lerngegenstand verarbeitet werden. Die Rezeptoren des Bewegungssinns sind praktisch im gesamten Körper, in den Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenken verteilt und werden somit bei jeder Form von Bewegung aktiviert.

Die von Asher etablierte Methode, die er selbst übrigens als Werkzeug bezeichnet, läuft in fünf Phasen ab, die nicht unbedingt direkt aufeinander folgen müssen, sondern auch je nach Lernleistung auf einen längeren Unterrichtsverlauf verteilt werden können.

In der ersten Phase gibt der Lehrer einen Befehl wie „Steh auf.“ und führt ihn selbst aus, während die Schüler einfach nur beobachten. In der zweiten Phase führen die Schüler den Befehl selbst aus, orientieren sich aber immer noch am Lehrer, ahmen ihn praktisch nach. In der dritten Phase agieren die Schüler allein, ohne dass der Lehrer noch mitmacht. Erst in der vierten Phase sprechen die Schüler den Befehl selbst, um schließlich in der letzten Phase die Lehrerrolle zu übernehmen und selbst Befehle zu erteilen, die nun andere Schüler befolgen.

TPR lässt sich sehr gut auf den Unterricht mit erwachsenen Lernenden im niedrigschwelligen DaZ-Unterricht übertragen. Möglicherweise sind Befehle wie „Stehen Sie auf.“ nicht für jede erwachsene Gruppe passend, aber in Verbindung mit dem Training der phonologischen Bewusstheit, von grammatischen Strukturen oder sogar von Wortbedeutungen (Verben), liegt viel Potenzial. So können die Lernenden zum Beispiel aufgefordert werden, die richtige Bildkarte zum Anlaut A hochzuhalten („Zeigen Sie…“) und dies schließlich in der 5. Phase miteinander und selbständig mit den Anlauten zu üben.

Der positive Effekt der Methode ist, dass die Lernenden sehr schnell in der Sprache handeln können und sie dabei schrittweise internalisieren, ohne dass sie sich durch die Anforderungen einer komplexen Sprachproduktion überfordert fühlen. Schnelle Erfolgserlebnisse sind damit möglich und die steigern bekanntlich die Motivation.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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