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Mai 2017

Teilnehmerorientierung als Prozess

Wie es gelingt, in großen Gruppen individuell auf die Teilnehmenden einzugehen

Interessen und Erfahrungen der Teilnehmer in den Kursalltag zu holen, ist wie das Salz in der Suppe. Aber wie gelingt es, in großen Gruppen auf die individuellen Themen und Bedarfe der Teilnehmer einzugehen?

Vorweg sollte man sich in Erinnerung rufen, warum es in der Erwachsenenpädagogik so sehr auf den Lebensweltbezug, die Alltags-, Erfahrungs- und Biografieorientierung der Teilnehmenden im Unterricht ankommt. Ich möchte an der Stelle neurowissenschaftliche Gründe ins Feld führen: Das Gehirn lernt vor allem, wenn etwas neu ist, wenn das zu Lernende anschlussfähig sowie persönlich und gesellschaftlich relevant ist.

Erwachsene, mit Jahren an Lebenserfahrung im Rucksack, die ihre Familien managen und größtenteils auch Arbeitserfahrungen auf verschiedensten Gebieten haben, bringen eine Menge Potenzial mit, neues Wissen an ihre Vorerfahrungen anzuschließen (mitunter ist genau dies problematisch: siehe Lernblockaden).

Die Grundidee der Teilnehmerorientierung ist nicht, den Lernstoff, z.B. die Verwendung des Perfekts, die richtige Satzstellung u.ä. zu pauken, sondern vielmehr deren Bedeutung für die persönliche Entwicklung und den Lernprozess zu verstehen. Der Fremdsprachenunterricht nimmt innerhalb der Erwachsenenpädagogik noch einmal eine besondere Stellung ein, denn die Sprachhürde muss erst einmal genommen werden. In Anfängergruppen ist es wegen der Sprachbarrieren beispielsweise schwierig, Diskussionen über teilnehmerbezogene Lerninhalte und Themen zu führen. Und doch geht so einiges.

Partizipation der Teilnehmer ist das Stichwort für die Praxis. Die Partizipation wächst kontinuierlich mit der Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit. Teilnehmerorientierung im DaF-/DaZ-Unterricht ist ein Prozess, in dem eben nicht nur die Kommunikationsfähigkeit außerhalb des Kursraumes trainiert wird, sondern auch das Handeln in und mit der Sprache innerhalb des Unterrichts.

In großen Gruppen bieten sich Methoden wie Partnerinterviews, Kleingruppenarbeit, Rollen- oder Planspiele an. Das regelmäßige Feedback ist sehr wichtig, aber auch Umfragen und Diskussionen über Erwartungen oder Themen. Vorausgesetzt, die Teilnehmer erhalten systematisch die sprachliche Kompetenz vermittelt, um die aktive Partizipation auch zu bewältigen. Im Grunde genommen werden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

Es werden z.B. die Redemittel für Erwartungen und Hoffnungen trainiert und dies nicht an Situationen am Fahrkartenschalter, sondern an den Interessen der Teilnehmenden, bezogen auf den Unterricht, die Pausengestaltung, die Regeln für den Umgang in der Gruppe etc. Das Reflektieren des Lehr- und Lernprozesses, das im teilnehmerorientierten Unterricht unabdingbares Werkzeug ist, ist also eng geknüpft an den Erwerb der sprachlichen Kompetenz für diesen Prozess.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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