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Dezember 2019

Spracherwerb durch Immersion

Kopfüber in die Sprache – klappt mit Kindern und Erwachsenen.

Bezogen auf den Spracherwerb meint Immersion, vom lateinischen immersio (Eintauchen), im Grunde genommen so etwas wie ein Sprachbad nehmen: Also komplett in die zu erlernende Sprachen eintauchen, sich darin rekeln und irgendwie herumschwimmen. Meistens klappt das am besten mit Kindern, aber auch im Fremdsprachenunterricht gewinnt Immersion als Sprachlernmethode zunehmend an Bedeutung.

Immersion beim Spracherwerb durch Unterricht fokussiert stark auf Language-Awareness (Sprachenbewusstheit) und gelingt durch gezieltes Lenken der Aufmerksamkeit der Lernenden auf sprachliche Phänomene. Hierbei steht die sprachliche Bedeutung einer Formveränderung im Mittelpunkt und nicht die Gesetze der Form.

Das kann beispielsweise durch Gegenüberstellung von bedeutungsunterscheidenden Wörtern und Sätzen geschehen, wie „Autounfall“ und „Unfallauto“ oder „Ich gebe ihm den Tiger“ und „Ich gebe ihn dem Tiger“ (Portmann-Tselikas, 2003). Im Sine von Sprachenbewusstheit sollten die Lernenden solche Beispiele schließlich in eine andere Sprache oder Sprachen übersetzten, um zu vergleichen, wie andere Sprachen die Form-Bedeutungs-Relation lösen.

Die sprachlichen Erfahrungen durch Immersion sind zuerst rezeptiv. Dadurch erlangen die Lernenden eine gewisse Vertrautheit mit authentischer Sprache. Voraussetzung ist, dass das Sprachangebot (Input) genügend groß ist, da das die Voraussetzung für das Ordnen der sprachlichen Erscheinungen ist und somit also auch für die Produktion, also das Sprechen und Schreiben. Erst am Schluss des Erwerbsprozesses findet hier die Automatisierung statt.

Ziel des Unterrichts mit Immersion ist in erster Linie ein Verstehen der Sache. Diese Perspektive kommt vielen Lernenden entgegen, die Sprachen nicht unbedingt über Regeln erlernen, sondern in der kommunikativen Bedeutungsaushandlung intuitiv, nach Gehör oder sogar nach trial and error vorgehen. (Le Pape Racine, 2000)

Der Erfolgsfaktor von immersiven Unterrichtsformen ist in den inter- und intrasprachlichen Vergleichen begründet, ebenso wie in den Prozessen der Bedeutungsaushandlung, die, wenn man so will, der wesentliche Knackpunkt sind.

Das Erlernen der Fremdsprache gelingt somit nebenbei, während die Lernenden Aufgaben lösen oder sich mit anderen Themen (Mathematik, Kochen etc.) beschäftigen. Auf diese Weise ist der Erwerbsprozess lerneraktiv und erfolgt konstruktiv. Außerdem haben die Lernenden weniger Hemmungen zu sprechen, weil mit formaler Unkorrektheit anders umgegangen wird. Bildlich gesprochen zählt beim Sprachbad, dass der Kopf über Wasser bleibt. An der Form, ob es Freistil oder Brustschwimmen wird, kann dann immer noch gefeilt werden.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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