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Oktober 2018

SOS-Grammatik

Nein – kein Hilfeschrei, sondern eine sehr brauchbare Methode der Grammatikvermittlung steckt hinter der Bezeichnung.

Bei der Arbeit mit der SOS-Grammatik finden die Lernenden eigenständig Informationen, die ihnen helfen, grammatische Phänomene zu verstehen und sie als eigene Regeln zu formulieren. Es ist also eine induktive Methode, die sich auf folgende Formel reduzieren lässt: S wie sammeln – O wie Ordnen – S wie Systematisieren. Jeder Buchstabe steht also für eine Phase in der Grammatikvermittlung. 

In der 1. Phase, der Phase des Sammelns, werden die Lernenden mit der neuen Form vertraut gemacht. Das grammatische Phänomen ist in eine kommunikative Situation eingebettet und liegt den Lernenden möglichst in Textform vor, so dass sie unterstreichen, markieren oder auflisten können. Wie es sich für das induktive Vorgehen gehört, lautet die Aufgabenstellung nicht „Unterstreichen Sie die Verbform im weil-Satz“, sondern bezieht sich auf die kommunikative Situation (zum Beispiel: „Unterstreichen Sie. Warum kommt Peter zur spät zur Arbeit?“). 

In der 2. Phase wird nun geordnet. Auch das kann auf verschiedene Weise geschehen. Tabellen, Schemata, Vergleichssätze, die gegenübergestellt werden, Tafelbilder oder Poster, die die Teilnehmenden selbstständig herstellen. Aufgabe des Kursleitenden ist es dabei, die Aufgabenstellung so zu formulieren, dass sinnvolle Ordnungssysteme entstehen, die kommunikative Situation aber nicht verlassen wird. Plakativ gesagt, sortieren die Teilnehmenden keine Grammatik, sondern Informationen aus dem Text.

In der 3. Phase, der Phase des Systematisierens, sollte schließlich das selbstständige Erkennen der Regel geschehen. Wenn den Teilnehmenden hierbei nicht von allein auffällt, dass in den Sätzen „Peter kommt zu spät zur Arbeit. Er hat verschlafen.“, das Verb „hat“ an anderer Stelle steht als im Nebensatz, heißt es für den Kursleitenden, die Aufmerksamkeit der Lernenden gezielt durch Fragen zu lenken. Für den Anfang bietet sich die simple Frage: „Fällt Ihnen etwas auf?“ an. 

Der dritten Phase folgt die Anwendung des grammatischen Phänomens in möglichst personalisierten Kontexten. Die Teilnehmenden probieren nun aus. Dabei dürfen sie Fehler machen. Neue Strukturen müssen sich erst einmal ihren Platz im neuronalen Netz verdienen. Und das tun sie über Anwenden, Probieren, Korrigieren und Wiederholen. 

Die Vorteile der SOS-Methode liegen auf der Hand. Die Grammatik wird nachvollziehbar erlebt und unterstützt die reale Kommunikation. Das heißt das sprachliche Handeln kann für die Teilnehmenden als sinnvoll und für die eigene Person relevant erlebt werden. Es wird lernerorientiert gearbeitet und nebenbei die Gruppenarbeit gefördert, was wiederum ein positives Gruppenklima unterstützt.

Nicht von ungefähr wird diese Methode in vielen Lehrwerken umgesetzt.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke 

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