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Juli 2017

Sitzt du noch oder lernst du schon?

Wann machen frontale Unterrichtsphasen Sinn?

Wie die Teilnehmenden im Deutschkurs sitzen, ist eine wichtige Entscheidung, die im Zusammenspiel mit den Gegebenheiten im Raum, dem jeweiligen Lehrziel, der damit verbundenen Sozialform und natürlich den Teilnehmenden selbst getroffen werden sollte.

Für den DaF/DaZ-Unterricht haben sich weitgehend die U-Form oder das Viereck durchgesetzt. Mit einem großen Vorteil – die Teilnehmenden können sich untereinander ansehen, sind also miteinander im Blickkontakt. Die Interaktion zwischen den Kursteilnehmenden wird dadurch leichter möglich.

Ob der Unterricht in offener Form oder frontal stattfindet, ist allerdings nicht allein mit der Sitzordnung geregelt. Das bedarf großer Bewusstheit und, so paradox das klingen mag, auch der Steuerung durch die Lehrkraft.

Im Frontalunterricht verläuft die Kommunikation überwiegend in einer Art Einbahnstraße zwischen Lehrkraft und Teilnehmenden, weswegen die Blickrichtung der Teilnehmenden nach vorne gerichtet (frontal) ist. Informationen werden rezeptiv und eher passiv aufgenommen. Die Aktivität und der Redeanteil liegt also weitgehend bei der Lehrkraft.

Um kommunikative Situationen im Kursraum herzustellen, möglichst „natürliche“ Sprechanlässe zu erzeugen, eignet sich die ausschließlich nach vorn gerichtete frontale Sitzordnung nicht. Der unterrichtsnahe Austausch – „Weißt du, was das heißt?“ / Ich verstehe das nicht?“ / Hast du die Lösung / einen Bleistift etc.?“ – erfordert zu viel Umdrehen und Bewegung. In der U-Form oder im Viereck ist diese Barriere aufgehoben, aber es hängt von der Lerhkraft ab, diese Interaktionen auf Deutsch anzustoßen und zu ermöglichen.

Frontale vom Lehrer gesteuerte Wissensvermittlung hat dennoch ihre Berechtigung und zwar, wenn es um Vermittlung von Informationen geht, Instruktionen oder Anleitungen für selbstständige Arbeitsphasen kommuniziert werden und Erklärungen (z.B. die Bildung des Perfekts) weitergegeben werden. Auch wenn mit Folien, Tafelbildern oder Whiteboard gearbeitet wird. Hier macht ein Lehrervortrag Sinn.

Gleichzeitig können Hörverstehen, Nachfragen und Diskussionstechniken (aufeinander Bezug nehmen, argumentieren usw.) trainiert werden. Nach frontalen Unterrichtsphasen muss unbedingt das abschließende Feedback eingeholt werden, denn lehren ist nicht gleich lernen. Das Geheimnis erfolgreicher Lehrer ist der regelmäßige Abgleich, ob die Teilnehmenden alles verstanden haben sowie der Wechsel zu teilnehmer- und handlungsorientierten Verfahren. Wenn es die räumlichen Möglichkeit hergeben, sollte die Sitzordnung bestenfalls der Sozialform angepasst werden.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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