arrow-down arrow-to-left arrow-to-right arrow-up bc-left check delete download facebook google-plus home map menu print search smiling three-lines top-left twitter youtube
{12} 2017

Scaffolding oder wie man Gerüste für Lernende baut

Mit Scaffolding im Fremdsprachenunterricht Interaktion fördern

Interaktion ist ein wichtiges Stichwort im Fremdsprachenerwerb und bedeutet, dass die Kommunikation im Kurs auf keinen Fall eine Einbahnstraße sein sollte.

Interaktion im Fremdsprachenerwerb beinhaltet außerdem Bedeutungsaushandlungen, Feedback und Scaffolding, was man ganz simpel mit „ein Gerüst bauen“ übersetzen kann. Mit Maria Montessori ausgedrückt: „Hilf mir, es selbst zu tun!“, heißt Scaffolding, mit Anleitungen, Denkanstößen oder Hilfestellungen, Aufgaben zu bewältigen. Die Hilfestellungen kommen dabei auch von anderen Teilnehmenden. Die Aufgaben sollten immer etwas über dem aktuellen Entwicklungsstand der Lernenden liegen, also eine tatsächliche Herausforderung darstellen.

Das bedeutet, dass ein ganz wesentlicher Bestandteil von Lernen als Interaktion die regelmäßige Ermittlung und Bewusstmachung des Lernstands der Teilnehmenden ist. Ausgehend von dem, was der Lernende (schon) kann, werden nächste Hürden angegangen, wobei die letztendliche Lösung des Problems dem Lernenden selbstständig gelingt.

Die Grundidee des Ganzen kommt als ein wesentliches Prinzip genauso im handlungsorientierten Lernen vor. Für den DaZ-Unterricht bedeutet das konkret, dass der Teilnehmende z. B. nicht die Erklärung geliefert bekommt (dass beispielsweise im Nebensatz mit „weil“ das Verb am Ende steht). Bestenfalls erkennen die Teilnehmenden das Phänomen von selbst. Wie das gelingen kann, ist die eigentliche und nicht einfache Herausforderung für die Kursleitenden.

Eine Unterrichtsplanung, die Gerüste baut, gibt keine Erklärungen vor oder malt Grammatikschemata an die Tafel. Vielmehr gibt sie Rätsel auf, stellt Fragen, arbeitet mit Beispielen, lenkt die Aufmerksamkeit auf das Phänomen und erlaubt den Teilnehmenden lernfördernde AHA-Effekte.

In der Praxis funktioniert das in Gruppenarbeit, mit Lernplakaten, Grafiken, Tabellen oder auch im szenischen Spiel. Für den „weil“-Satz könnte eine Stufe im Gerüst der Vergleich mit „denn“-Sätzen sein. Hier ist die Struktur – Verb an zweiter Position – bekannt. Auch dass zwei Informationen in einem Satz verknüpft werden können, ist bereits durch „und“, „oder“, „aber“ bekannt. Das Phänomen „weil“ könnte nun mit Beispielsätzen ins „Gerüst gehängt“ werden (um im Bild des Scaffolding zu bleiben). Sollten die Teilnehmenden nicht allein herausfinden, dass etwas anders ist, so kann durch gezieltes Fragen die Suchrichtung definiert werden.

Scaffolding ist zwar eine zeitintensive, aber ebenso effektive Methode, nachhaltige Lernergebnisse zu erzielen und zu sichern. Fördern und fordern sind die beiden Anker, die das Gerüst stützen.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

Weiterempfehlen: