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Februar 2021

Pestalozzi – Anschaulichkeit und Struktur

Viele Bildungseinrichtungen tragen seinen Namen – warum eigentlich?

Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827) wird heute vor allem mit der Reformpädagogik und der „Volksbildung“ in Verbindung gebracht. Im Wesentlichen ging es ihm um die Entstehung von Schulen für alle Kinder, in denen die Kinder gleichermaßen intellektuell, sittlich-religiös und handwerklich geschult werden. Dahinter steckt die Idee einer allseitigen und harmonischen Bildung und Erziehung, die wir heute als ganzheitlichen Ansatz bezeichnen würden.

Pestalozzi entwickelte ein zusammenhängendes Konzept der Elementarbildung von Kindern, das bereits vor dem Eintritt in die Schule in der Familie beginnen sollte. Eine Idee, die sein Schüler Friedrich Fröbel fortsetzte.

Pestalozzi ging davon aus, dass im Kind bereits Kräfte angelegt sind, die erst zur vollen Entfaltung kommen, wenn sie in geordnete Bahnen gelenkt werden. Dafür empfiehlt er eine Dreiteilung in Kopf, Herz und Hand, wobei der Kopf für den Intellekt steht, das Herz für Sitte und die Hand für die praktischen Fähigkeiten, wobei alles gleichermaßen Beachtung finden sollte.

Was hat Pestalozzi nun mit modernem Deutschunterricht mit Erwachsenen zu tun? Neben der Prämisse der Anschaulichkeit, die ein Eckpfeiler seines pädagogischen Systems ist, lohnt es sich, auf die Idee von Ordnung und Strukturierung zu schauen.

In der intellektuellen Bildung, also im System Kopf, geht es Pestalozzi um eine Dreiteilung in Wort, Form und Zahl. Die Idee dahinter ist, Informationen, die die Kinder im Unterricht aufnehmen, nach Wesensmerkmalen zu ordnen. Konkret heißt das z.B., die Kinder nacheinander zu fragen, wie viele Gegenstände sie sehen – Zahl, wie diese aussehen - Form und schließlich, wie sie diese bezeichnen würden – Wort. Im Grunde genommen geht es hierbei um einen möglichen Ansatz der „Durchdringung“ von Wissen und damit sind wir bereits im Deutschunterricht mit Erwachsenen.

Eine Komplexitätsreduktion und Strukturierung von Wissen, ist nicht nur im kindlichen Begreifen Erfolg versprechend. Auch eine Sprache kann in ihre Bestandteile zerlegt und untersucht werden, was im induktiven Sprachunterricht sogar sehr ähnlich abläuft. Lerner*innen beschreiben die Form einer Aussage (z.B. die veränderte Verbform im Perfekt) und versuchen dem Ganzen eine Erklärung, eine Interpretation zugeben, das Phänomen also zu benennen.

Für Pestalozzi gehörten übrigens auch die Gefühle, Ordnung, Schönheit und Ruhe zu dem Gesamtkonzept Bildung, wobei ihm die Entwicklung positiver Eigenschaften sehr wichtig war. Und auch das ist etwas, was unbedingt in jede Art von Lehre gehört – damals wie heute.

 

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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