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Februar 2021

Peer Evaluation

Gemeinsam wird es besser – vom Vorteil der Evaluierung innerhalb von Lerngruppen

Als Peers werden Personen bezeichnet, die innerhalb einer gewissen Konstellation die gleiche Rolle innehaben. Damit sind wir bereits mittendrin im Deutschunterricht für Erwachsene. In den Sprachkursen haben alle Teilnehmer*innen die gleiche Rolle inne – sie sind Lerner*innen.

Das Schöne am Lernen ist, dass es im sozialen Austausch in der Gruppe richtig gut funktioniert. Ansätze aus dem kooperativen und kollaborativen Lernen greifen diese Idee auf und die Peer-Evaluation reiht sich quasi nahtlos in den bunten Reigen sämtlicher Unterrichtmethoden ein, bei denen es um das gemeinsame handlungsorientierte Lernen geht.

Peer-Evaluation geschieht innerhalb der Gruppe ohne den Kursleitenden. So kann es darum gehen, dass ein Lernender ein Produkt vorstellt, nehmen wir einen Beschwerdebrief an den Vermieter. Die Peer-Evaluation kann summativ erfolgen. Die anderen Lernenden bewerten die Leistung (“super“ oder “nicht gut“).

Es kann aber auch formativ vorgegangen werden. Das bedeutet, der Lernende hat am Ende des Prozesses konkrete Handlungsoptionen an der Hand; Ideen, was er in seinem Brief verändern kann. Die formative Evaluierung zielt immer auf die Verbesserung des Produktes oder der Leistung.

Damit die Peer-Evaluation für die Beteiligten funktioniert, ist es wichtig, dass vorab Kriterien festgelegt werden, die den Lernenden zur Verfügung stehen. Im Beispiel des Beschwerdebriefes könnten dies die adressatengerechte Verwendung der Gruß- und Abschiedsformeln sein, die situationsgerechte Verwendung von Redemitteln und/oder das Kriterium Vollständigkeit.

Die Vorteile der Peer-Evalution wurden bereits in den 1980er und 1990er Jahren herausgearbeitet (Topping, 1996): Peers geben sich auf derselben Ebene Rückmeldung. Das bedeutet, dass die Lerner*innen auf der gleichen Ebene Beobachtungen austauschen, Vermutungen anstellen, Verbesserungen diskutieren. Das führt dazu, dass in der Überarbeitung komplexer und nachhaltiger vorgegangen wird.

Bei Rückmeldungen durch Experten konnte man beobachten, dass diese unverständlich für den Lernenden sein können. Außerdem beinhaltet die Evaluation durch die Kursleitenden in der Regel explizite Empfehlungen zur Anpassung, was zur Folge hat, dass die Überarbeitung durch die Lerner*innen oberflächlicher ausfällt.

Peer Evaluierungen erfordern einen wesentlich höheren Koordinationsaufwand sowie methodische Klarheit durch die Kursleiter*innen. Der Aufwand lohnt sich allerdings – die Lernerfolge sind deutlich.

 

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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