arrow-down arrow-to-left arrow-to-right arrow-up bc-left check delete download facebook google-plus home map menu print search smiling three-lines top-left twitter youtube
Juli 2018

Offene Unterrichtformen im Alphakurs?

Kann man lernungewohnte Teilnehmende mit offenem Unterricht erreichen? Ja, und zwar Schritt für Schritt. 

Das Konzept des offenen Unterrichts ist nicht neu. Wesentlicher Eckpfeiler des offenen Unterrichtens ist eine veränderte Rollenverteilung: auf Seiten der Lehrenden bedeutet das lernerzentriertes Arbeiten, für die Lernenden Übernahme von Verantwortung für den eigenen Lernprozess. 

Nun sind allerdings die Selbstlernstrategien bei vielen Teilnehmenden in Alphakursen wenig ausgeprägt und die Schulerfahrungen gering bis gar nicht vorhanden. Dies scheint offenes Unterrichten schwierig bis unmöglich zu machen. 

Das Gegenstück ist die geschlossene Unterrichtsform, die eine definierte Rollenverteilung mit Fokus auf den Kursleitenden, also lehrergelenkten Unterricht mit festen Zielen und Inhaltsvorgaben beinhaltet. Auch wenn dies auf den ersten Blick vielen Kursleitenden als angemessene Antwort erscheint, gibt es auch hierbei Begrenzungen. Die curricular festgeschriebenen Inhalte und Ziele können nicht von allen Teilnehmenden und oftmals schon gar nicht in der vorgeschriebenen Zeit erreicht werden. Auch gehen die Inhalte oftmals an den Teilnehmenden vorbei und der Transfer bzw. die Identifikation fällt sehr schwer. 

Es geht bei der Frage offener oder geschlossener Unterricht niemals um ein Entweder-Oder, sondern um die sinnvolle Integration und das Bewusstmachen der Grenzen und Chancen (siehe A. Feldmeier). Unterrichten im Alphabereich steht und fällt mit einer hohen Methodenkompetenz auf Seiten der Kursleitenden und dem bewussten Wechsel von Unterrichtsformen. Einen Einstieg in einen offenen Unterricht bietet das entdeckende Lernen. 

Entdeckendes Lernen verläuft in drei Schritten. Ausgehend von einem konkreten Beispiel wird die jeweilige Regel von den Lernenden gefunden (mit mehr oder weniger Unterstützung) und schließlich kleinschrittig geübt. Nehmen wir die Konjugation in der 1. Person Singular sowie in der Höflichkeitsform. Alle Teilnehmenden essen oder trinken. Ein Einstieg kann also beispielsweise ein Dialog sein („Was essen Sie gern?“- „Ich esse gern Salat“.) Die zweite Phase, das Aufdecken der Regel, kann verschieden gehandhabt werden. Entweder fällt den Teilnehmenden eigenständig die Änderung der Endung auf und Sie fragen oder der Kursleitende unterstützt („Fällt Ihnen was auf?“ „Was ist anders?“ etc.).

In der Übungsphase trainieren die Teilnehmenden dann je nach Leistungsniveau entweder nur die ich-Form oder auch schon kleine Dialoge mit den drei Beispielverben. 

Weiterempfehlen: