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April 2019

Lesetraining effektiv gestalten

Lesen ist nicht gleich Lesen – Was Sie beim lauten Lesen beachten sollten

Lesen ist eine schulische und gesellschaftliche Schlüsselkompetenz. Vorlesen, also der Vorgang des lauten Lesens von Texten aller Art, hat beim Training der Lesekompetenz eine ganz besondere Funktion inne – es ist praktisch so etwas wie eine Sprungfeder. Allerdings nur, wenn der Leseakt selbst effektiv trainiert wird.

Oft wird im Unterrichtsgeschehen das sogenannte Round Robin Reading (RRR) praktiziert. Dabei lesen die Teilnehmenden der Reihe nach einen unbekannten Text vor und das zumeist Satz für Satz oder Abschnitt für Abschnitt. Diese Vorgehensweise wird in der aktuellen Leseforschung stark kritisiert.

Das Textverständnis ist beim lauten Lesen gestört. Obendrein wird durch Korrekturen, größtenteils durch andere Teilnehmende, der Lesefluss gestört. Für leseungewohnte Teilnehmende bedeutet das Vorlesen zudem oftmals Stress oder ist von Angst oder Scham begleitet.

Lautes Lesen ist rein technisch betrachtet ein ziemlich komplexer Vorgang und praktisch gesehen ist es so etwas wie ein kontrollierter Sprechvorgang. Zuerst müssen linguistische Symbole mit dem Ziel der Sinnerfassung visuell, phonematisch und semantisch verarbeitet werden (kognitiver Dekodierungsprozess). Darüber hinaus ist Vorlesen auch ein interaktiver, also dialogischer Prozess, bei dem es um Informationsaustausch geht. Zu guter Letzt ist Vorlesen aktive Bewegung, wobei die Gesichtsmuskeln und Mundmotorik 
aktiviert werden. Von Paulo Freire stammt nicht zuletzt die Idee, dass beim lauten Lesen die Seele der Wörter erspürt wird.

Gute Lesende können den Leseprozess ganz aktiv kontrollieren und darum akkurat und in angemessenem Sprechtempo lesen. Das wiederum können sie, weil sie Wörter in sinntragende Einheiten gruppieren und dabei ein Minimum an graphischen Informationen 
für die Dekodierung nutzen. Sie stützen sich bei Lesen auf den Kontext und auf ihr Vorwissen, um Wörter vorherzusagen.

Um dahin zu kommen, sollte sich ein effektives Lesetraining auf drei Schwerpunkte konzentrieren. Zum einen auf die Lesefertigkeit: Dazu gehört grundlegendes Blicktraining, die Wahrnehmung der Zeichen im Kontext und das Erfassen von Wortteilen und Wörtern 
mit der Fähigkeit Satzteile, Teilsätze und Sätze verknüpfen zu können.

Zum anderen sollten das Leseverstehen und Lesestrategien trainiert werden.
Dazu gehört, dass vor dem eigentlichen Lesen das Vorwissen aktiviert, der Wortschatz vorentlastet wird und mögliche Verständnisschwierigkeiten bearbeitet werden.

Schließlich sollte auch die Leseroutine, also die Lesegeläufigkeit, trainiert werden. Das geht im Unterricht am besten durch wiederholte Lautleseübung mit Partnerkontrolle, also eher zu zweit als in der gesamten Gruppe. Dabei gilt es, auf die Leseverständlichkeit inklusive Lautstärke und Lesetempo zu achten, aber auch auf die Lesegenauigkeit und den Lesefluss. Wie immer gilt dabei: Übung macht den Meister.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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