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Januar 2019

Lesestrategien erwachsener Lernender in der Alphabetisierung

Jeder, der lesen lernt, verwendet dabei bewusste und unbewusste Herangehensweisen.

Der Leselernprozess erwachsener Analphabeten besteht aus drei Phasen: der logografischen, der alphabetischen und der orthografischen Phase. Allerdings stammen diese Erkenntnisse aus der Forschung zum kindlichen Schriftspracherwerb in der Muttersprache. Für die Alphabetisierung Erwachsener mit Deutsch als Fremdsprache lagen lange Zeit nur wenige relevante Studien vor.

Alexis Feldmeier nahm 2011 die alphabetische Phase im Schriftspracherwerb erwachsener nichtmuttersprachlicher Lernenden genauer unter die Lupe. Mit seiner Studie wollte er herauszufinden, welche Strategien die Lernenden beim Lesen isolierter Wörter anwenden, also mit welchen bewussten oder auch unbewussten Herangehensweisen die Wörter entschlüsselt werden.

Feldmeier stieß dabei auf zwei wesentlich zu unterscheidende Strategien: die Wortbenennungs- und Synthetisierungsstrategien. Wortbenennungsstrategien umfassen Herangehensweisen, bei denen die Lesenden ein Wort als Ganzwort lesen. Weitaus häufiger konnten allerdings Synthetisierungsstrategien beobachtet werden. So versuchten einige Probanden, das Wort buchstabenweise zu erlesen, indem sie zu zuerst den Buchstabennamen nannten. Andere gingen lautweise vor, indem zuerst Laut für Laut genannt und schließlich die Laute zusammengefügt wurden. Auch das silbenweise Erlesen beobachtete Feldmeier, wobei auch dabei verschiedene Herangehensweisen vorkamen, wie zum Beispiel das kumulative Lesen, bei dem die erste Silbe beim Erlesen der zweiten wiederholt wird und so weiter. Feldmeier beschreibt unter anderem auch das überlappende Lesen. Hier wiederholt der Lesende den Auslaut der ersten Silben als Anlaut der zweiten Silbe.

Die Strategien können an Vielzahl und Anwendung variieren. Jeder Kursleitende in Alphabetisierungskursen hat bei dieser Beschreibung der Lesestrategien sicherlich sofort den einen oder andere Teilnehmenden seiner Gruppe vor Augen.

Feldmeier betont in seiner Studie außerdem, dass für den Erfolg des Leseprozesses die Deutschkenntnisse relevant waren. Wörter, die den Probanden bekannt waren, wurden schneller und öfter richtig erlesen. Auch die Vorkommenshäufigkeit des Wortes spielte eine wichtige Rolle im Leseprozess – häufig auftretende Wörter wurden ebenfalls schneller und öfter richtig gelesen.

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für den Unterricht? Da die vorhandenen Deutschkenntnisse der Teilnehmenden eine entscheidende Rolle für das erfolgreiche Lesen spielen, sollte das zu lesende „Material“ mündlich bekannt sein. Ebenso sollten eher weniger, dafür aber relevante Wörter (Vorkommenshäufigkeit) häufig gelesen werden.

Feldmeier betont, dass auch die Muttersprache der Teilnehmenden nicht unwichtig sei, sodass es durchaus hilfreich ist, wenn Kenntnisse über Besonderheiten der Muttersprachen der Teilnehmenden auf Seiten der Kursleitenden vorhanden sind. Auf diese Weise können häufig vorkommende Lesefehler besser eingeschätzt werden. Die Fehler der Lernenden sind dabei wie Wegmarken, die das Lernstadium erkennen lassen. Sie können somit als wesentliche Richtungsweiser im erfolgreichen Leselernprozess dienen.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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