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März 2017

Lerntypen – Gibt es sie?

Was beeinflusst den Lernerfolg wirklich?

Die Idee der vier Lerntypen hält sich recht hartnäckig in unserem Lehrsystem. Aber sind sie tatsächlich relevant für den Lernerfolg im Fremdsprachenunterricht?

Frederic Vester hatte mit seiner Theorie (1984) vom visuellen, auditiven, haptischen und intellektuellen Lerner für Aufsehen gesorgt und das Unterrichtsgeschehen der folgenden Jahrzehnte nachhaltig geprägt. Richtig ist, dass Menschen sich auf sehr unterschiedliche Art und Weise neue Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten aneignen. Grundsätzlich ist auch an der Idee, das Menschen Informationen über verschiedene Wahrnehmungskanäle (auditiv, visuell, haptisch) aufnehmen, nichts verkehrt. Es darf aber nicht vergessen werden, dass das Lernen, in unserem Fall, das Verstehen, Verarbeiten und Anwenden einer Fremdsprache, weit über die reine auditive, visuelle oder haptische Wahrnehmung hinausgeht.

Um Lernerfolge zu erzielen, müssen Informationen über eine aktive Auseinandersetzung ver- und bearbeitet werden. Die Hirnforschung hat sich in den letzten Jahrzehnten intensiv mit dem überaus komplexen Prozess des Lernens beschäftigt. Lernvorgänge wirken sich auf die neuronalen Verknüpfungen zwischen Nervenzellen aus. Dauerhafte Lernvorgänge sorgen für verstärkte und nachhaltige Verbindungen zwischen bestimmten Nervenzellen. In Asien kursiert die Weisheit, dass man etwas 1000 mal getan haben muss, um es zur Meisterschaft zu bringen. Bei uns heißt es da etwas salopper: Übung macht den Meister.

Interessant sind an dieser Stelle die in der Nerurodidatik kursierenden Erkenntnisse über unsere verschiedenen Gedächtnisse. So verfügen wir über ein semantisches Gedächtnis, das z.B. Vokabeln speichert, ein episodisches Gedächtnis für Erinnerungen sowie ein prozedurales Gedächtnis für Fertigkeiten wie Fahrradfahren oder (wichtig für Alpha-Kurse) die Fähigkeit zu Schreiben. Wissen kann nicht übertragen werden, sondern wird einzig und allein beim Lernenden erzeugt. Aha-Effekte bei den Teilnehmern sind also so etwas wie der Geheimcode zum „Wissens-Safe“.

Für den Unterricht bedeutet hirngerechtes Lernen und Lehren, dass Lernprozesse effektiver sind, wenn auf individuelle Unterschiede der Lernenden eingegangen wird. In den Kurs gehören konkrete Erfahrungen, die einen Alltagsbezug haben und Informationen und Erfahrungen verbinden, aber auch die persönlichen Interessen der Teilnehmer.

Für neue Schwerpunkte (z.B. in der Grammatikvermittlung) ist es wichtig, das Vorwissen zu aktivieren (beispielsweise kann man auf die Verbstellung am Satzende bei Modalverben wie auch im Nebensatz eingehen. Das wiederholt sich, auch wenn das grammatische Phänomen ein anderes ist). Ein ganz wichtiger Aspekt ist Zeit zum Reflektieren und persönlichen Verarbeiten. Man darf ruhig mal das Tempo aus dem Unterricht nehmen und den Teilnehmern Zeit zum „Trödeln“ zugestehen.

Vor allem aber soll Lernen Freude machen. Positive Emotionen heizen unser Episoden-Gedächtnis so richtig an. Und hier schließt sich der Kreis zur Frage der Lerntypen: Neurodidaktisch sind sie überholt, aber als Methodenmix gehören auditive, visuelle und haptische Angebote unbedingt in allen ihren Formen in den Unterricht: Unser Gehirn braucht es bunt, abwechslungsreich und überraschend.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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