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März 2019

Lernen mit Chunks

Das Lernen von Redeformeln, auch Chunks, verhilft Lernenden zu einem aktiven Einstieg in die Fremdsprache

Chunks sind häufig gebrauchte Formulierungen, Sequenzen oder Sprachmuster. Der Begriff kommt aus dem Englischen und bedeutet Batzen oder Brocken. Lernen mit Chunks ist also so etwas, wie den Lernenden „fette Brocken“ genießbar zu machen.

So ein „Brocken“ kann zum Beispiel das aus unserer Gesprächsroutine stammende „Wie geht es Ihnen?“ sein, mit der dazugehörenden Antwort „Danke, mir geht es gut.“ Dass diese Sätze den Dativ beinhalten, ist für das situative Anwenden im Gesprächskontext erst einmal gar nicht wichtig und muss für den korrekten Gebrauch nicht thematisiert werden.

Die Stärke von Chunks ist genau das. Sie präsentieren dem Lernenden kleine merkbare Einheiten, in die Informationen über Wortschatz, Grammatik, Aussprache sowie Prosodie eingebettet sind. Die Lernenden müssen also in der Gesprächssituation nicht mühselig alles neu zusammensetzen, sondern greifen auf ein einzelnes Element, das sie als Ganzes verinnerlicht haben, zurück.

Dadurch sind Chunks besonders für den Anfängerunterricht enorm wichtig. Sie ermöglichen dem Lernenden eine schnelle Sprachpraxis. Sie vermitteln ein Gefühl von Sicherheit und geben den ersten Schritten im Umgang mit der Zielsprache ein brauchbares Gerüst. Die Lernenden erleben erste gelingende kommunikative Situationen, wenn Sie „Guten Tag.“, „Auf Wiedersehen.“, „Herzlichen Glückwünsch zum Geburtstag.“ oder „Wie geht es Ihnen?“ benutzen können.

Da die Arbeit mit Chunks ohne explizite Grammatikvermittlung auskommt, empfiehlt sie sich vor allem im niederschwelligen DaZ-Unterricht, wo sie auch den Erwerb syntaktischer Strukturen stützen kann. „Heute regnet es.“, „Am Vormittag lerne ich Deutsch.“, „… weil ich krank war“. Auch Artikel können in diesem Zusammenhang wie Chunks behandelt werden, zum Beispiel im Zusammenhang mit Präpositionen („im Supermarkt“, in der Schule, „beim Arzt“, „zur Apotheke“).

Damit die Lernenden die Chunks verinnerlichen und anwenden können, ist nach dem situationsgebundenen sprachlichen Input die Automatisierung an der Reihe. Um die Chunks zu festigen, sollten sie von den Lernenden auch in verschiedenen Kontexten und natürlich auf die eigene Situation bezogen angewendet werden. Wichtig ist, dass die Redeformeln korrekt benutzt werden.

Auch beim Schreibtraining ist die Arbeit mit Chunks hoch effektiv und das nicht nur für die üblichen Grußformeln „Sehr geehrte/r ...“ oder „Mit freundlichen Grüßen“. Wenn man erst einmal begonnen hat, nach den „Brocken“ der Sprache Ausschau zu halten, findet sich schließlich eine Menge Sprachmaterial, dass man seinen Lernenden zu gut verdaulichen Häppchen aufbereiten kann.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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