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Dezember 2017

Lernen mit Bewegung

Bewegung beeinflusst das Denken und gehört beim Lernen dazu

Viele Menschen gehen davon aus, dass Denken ein rein rationaler Prozess ist, der abstrakt und losgelöst vom Körper stattfinden würde. Aber schon zu Rousseaus Zeiten galt: „Übe unablässig den Leib, mache ihn kräftig und gesund, um ihn weise und vernünftig zu machen.“ (Rousseau 1778). Denken und Bewegung sind untrennbar miteinander verbunden.

Amerikanische Wissenschaftler haben zum Beispiel herausgefunden, dass bereits die Art und Weise, wie ein Stift über ein Papier geführt wird, die Kreativität beeinflusst. Für das Experiment ließen sie Probanden kantige oder geschwungenen Formen nachzeichnen, bevor diese einen Kreativitätstest absolvierten. Diejenigen Probanden, die zuvor rein eckige Figuren kopiert hatten, schnitten deutlich schlechter ab.

In der Hirnforschung konnte man in den letzten Jahren nachweisen, dass beim Erinnern, Nachdenken und Rechnen dieselben Hirnareale aktiv sind wie die, die auch unsere Bewegung steuern. Durch Bewegung wird also nicht nur die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden im Kurs gesteigert. Beim Lernen mit Bewegung können auch relevante Informationen ins Langzeitgedächtnis gelangen – wo sie schließlich hingelangen sollen.

Viele erwachsene Lernende nehmen Angebote zu bewegtem Lernen sehr gerne und oft auch mit Neugier an. Legt man den lernpsychologischen Zusammenhang zwischen Lernen und Bewegung offen, erreicht man in der Regel auch skeptische oder zurückhaltenden Teilnehmende. Bei Berührungsängsten kann man auch mit Methoden aus dem Psychodrama gute Effekte erzielen. Hier fordern der/die Kursleitenden die Teilnehmenden auf, ihr „Spiegel“ oder „Echo“ zu sein (L. Schiffler. Effektiver Fremdsprachenunterricht).

Das gemeinsame Sprechen und Bewegen (durch den Raum laufen, Verknüpfung mit Gesten etc.) hilft oftmals auch, Sprechhemmungen zu überbrücken. Möglichkeiten für Bewegung im Kurs bieten sich nicht nur beim Vokabellernen oder dem Trainieren von Redemitteln an. Auch Artikeltraining, Laufdiktate, Lösungen im Raum, Spiele mit Präpositionen usw. lockern den Kurs auf.

Die vielen Stunden des Integrationskurses nur im Sitzen zu absolvieren, ist fast gar nicht möglich. Auch gesundheitliche Aspekte gilt es zu bedenken. Die Bewegung in den Pausen reicht bei Weitem nicht aus, um Haltungsschäden vorzubeugen oder die Konzentration über mehrere Stunden aufrecht zu halten.

Übrigens ist lautes Sprechen und dabei umherlaufen eine jahrhundertealte Technik aus Klöstern, in denen Mönche das Wandeln auf den Kreuzgängen dazu nutzen, Texte auswendig zu lernen. Warum sollte das nicht auch im Fremdsprachenunterricht funktionieren?

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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