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März 2017

Kritisieren ja, aber wie geht´s?

Wie Kritik den Lernfortschritt befördern kann

Eine alte Weisheit in China besagt: Wer mir schmeichelt, ist mein Feind, wer mich tadelt, ist mein Lehrer.

Kritik im Lernprozess ist für den Lernfortschritt der Teilnehmer sehr wichtig, aber oft scheuen wir uns Kritik zu üben oder glauben, Kritik in ein Lob verpacken zu müssen. Ersetzen wir das Wort gegen die konstruktiver klingende Variante „Rückmeldung“ erscheint alles in einem anderen Licht. Und wenn wir das Pferd einmal von hinten aufzäumen: Teilnehmende, die keine Rückmeldung über ihre Leistungen erhalten, sind schnell demotiviert und können nur schwer Lernfortschritte erzielen.

Rückmeldung beginnt beim viel diskutierten Thema der Fehlerkorrektur: Wie viel davon gehört in den Unterricht? Wer lernt, macht Fehler und wer Fehler macht, lernt! Wenn wir Fehlern im Unterricht diese positive lernfördernde Eigenschaft zugestehen und ebenso kommunizieren, sind wir schon in einem ganz anderen Modus. Fehlerkorrektur ist immer Interaktion und sollte nie eine Einbahnstraße sein, die ausschließlich von der Lehrkraft zu den Teilnehmenden führt.

Kritik bezieht sich aber auch auf das gesamte Lernverhalten der Teilnehmenden und hat die Intention, die Teilnehmer zu befähigen, ihren individuellen Leistungsstand selbstständig einschätzen zu können. Hier hat man im Fremdsprachenunterricht eine Vielzahl an Möglichkeiten, die man sich unbedingt bewusst machen sollte.

Das beginnt bei der zu trainierenden Selbstkontrolle der Leistungen, indem die Teilnehmenden z.B. mit Hilfe eines Lösungsschlüssels eigenständig schriftliche Aufgaben mit richtig oder falsch korrigieren. Gegenseitige Fehlerkorrektur, ob schriftlich oder mündlich, ist in der Gruppendynamik eine große Bereicherung und sorgt für aktive und aufmerksame Teilnahme am Unterricht.

Eine ebenso zu trainierende Kompetenz ist die Fähigkeit, Rückmeldung oder Feedback für Präsentationen oder Reflexionsübungen zu geben. Feedback hat die Aufgabe, konkrete Punkte aufzuzeigen, die verbessert werden können bis hin zu konkreten Vorschlägen, wie es besser wäre. Feedback ist in schriftlicher Form möglich, aber auch als Gruppenaktivität in mündlicher Form.

Rückmeldungen, die auf die Selbstregulation des gesamten Lernprozess der einzelnen Teilnehmenden abzielen, sollte regelmäßig und unbedingt persönlich durch die Lehrkraft erfolgen. Feedback heißt allerdings nicht loben. Vielmehr wird auf die Lücke, auf das noch zu erreichende nächste Puzzlestück fokussiert. Lob dagegen enthält in diesem Sinne keine lernrelevanten Informationen und sollte daher nicht mit dem Feedback vermischt werden.

Aber wie funktioniert konstruktives Feedback? Es zielt immer auf Wissenszuwachs und Kompetenzerweiterung für den Spracherwerb. Das heißt Feedback kann erst nach dem Ausprobieren und Arbeiten erfolgen, also nachdem die Teilnehmer eigene Lösungen gefunden haben und ist auf Ergebnisse bezogen. Klar, sachlich präzise sowie spezifisch mit praktischen Anregungen kann es auch nachvollzogen werden. Es bietet Lösungsvorschläge und Alternativen. Die Intention sollte immer die Lernzielförderung sein.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

Bild: (c) Fotolia, BillionPhotos.com

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