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Oktober 2018

Kontrastive Grammatik

Von Martin Luther stammt der Spruch „Weißes erkennt man besser, wenn man Schwarzes dagegenhält.“

Luther hat dabei sicherlich nicht an das Fremdsprachenlernen gedacht. Die Idee, Unterschiede durch Kontraste deutlicher hervorzuheben, wird allerdings tatsächlich auch im Fremdsprachenunterricht umgesetzt.

Die „Kontrastive Linguistik“, oder auch „Kontrastive Grammatik“, vergleicht Sprachen und Sprachsysteme miteinander, wobei das Hauptinteresse auf den Abweichungen, also den Kontrasten, liegt. Dabei ist es nicht so, dass die Gemeinsamkeiten unter den Tisch fallen. Für den gesteuerten Spracherwerb hat sich aber der Fokus auf die Unterschiede zwischen den Sprachsystemen als förderlich herausgestellt.

Der Gedanke, Sprachen zu vergleichen, ist schon alt und erlebte im 18. und 19. Jahrhundert einen Höhepunkt in der vergleichenden Sprachwissenschaft. Die Bedeutsamkeit des kontrastiven Vorgehens für den Sprachunterricht liegt auf der Hand. Lernende dekodieren und praktizieren eine Fremdsprache nach den Mustern und Regeln der eigenen Muttersprache. Diese decken sich allerdings nicht mit denen der zu erlernenden Sprache. Darum ist es durchaus sinnvoll, von Anfang an das Neue und Andere in der Fremdsprache herauszustellen.

Die Kontrastive Grammatik beinhaltet also, die neu zu erlernende Sprache im Kontrast zur Muttersprache der Lernenden zu unterrichten. Darin liegt auch schon eine der großen Hürden – in sprachheterogenen Gruppen sehen sich die meisten Kursleitenden vor nicht zu bewältigende Herausforderungen gestellt. Es ist sehr selten, dass in einem Integrationskurs alle Teilnehmenden die gleiche Muttersprache sprechen.

Dennoch sollte auf kontrastive Elemente im Deutschunterricht nicht verzichtet werden. Im vom BAMF herausgegeben Konzept für einen bundesweiten Alphabetisierungskurs wird dem Thema „Kontrastive Alphabetisierung“ sogar ein eigenes Kapitel gewidmet.

Durch kontrastives Arbeiten, also den Rückgriff auf die Muttersprachen der Teilnehmenden, kann das muttersprachliche Expertenwissen nutzbar gemacht werden. Aber auch Aha-Effekte in der eigenen Muttersprache können dadurch ermöglicht werden. Das Ziel ist die Sprachbewusstheit zu fördern. Gleichzeitig wirkt es lernmotivierend, wenn die Teilnehmersprachen und schließlich die damit verbundenen Kenntnisse und Fähigkeiten der Teilnehmenden gewürdigt werden.
Es geht bei der Idee des kontrastiven Vorgehens nicht darum, den Teilnehmenden ihre eigene Muttersprache vermitteln zu wollen oder gar die Grammatik zu erklären. Durch den Rückgriff auf die Muttersprache werden vielmehr das Erlernen und Anwenden des Deutschen maßgeblich unterstützt.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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