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Juli 2020

Kontrastiv unterrichten in heterogenen Gruppen?

Mehrsprachigkeit im Deutschunterricht als Lernunterstützung.

Jeder Kursleitende, der Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, kennt das Phänomen: Aufgrund der Fehler, die die Lernenden im Deutschen machen, lässt sich in der Regel auf die Muttersprache schließen. Besonders deutlich ist das bei der Aussprache, aber auch bei typischen Übertragungen auf die Syntax und Wortstellung. Dieses Phänomen ist so etwas wie des Pudels Kern. Denn jede Fremdsprache wird auf der Schablone der zuerst erlernten Sprache, der L1, also der Muttersprache, erworben.

Für die auf die Erstsprache zurückzuführenden Fehler beim Gebrauch der Fremdsprache wird der Terminus Interferenz gebraucht. Lernende einer Fremdsprache benutzen bei Regelunkenntnis oder Unsicherheit in der Fremdsprache ganz automatisch die Muster der Erstsprache. Sind diese beiden Sprachen relativ ähnlich, kann das sogar ganz gut funktionieren. Bestehen allerdings Abweichungen, kommt es zu Schwierigkeiten.

Nun könnte man davon ausgehen, dass ein ganz wichtiger Schritt im Fremdspracherwerb darin besteht, diese Unterschiede in der Struktur der Sprachen zu kennen. Also die Kontraste zu beschreiben und schon sind die Lernschwierigkeiten überwunden. Aber so einfach ist es leider nicht. Zuallererst gilt es eine ganz elementare Prämisse zu formulieren.

Das Lernziel im Deutschunterricht für Erwachsene ist nicht die Anderssprachigkeit nach dem Motto „Hier wird nur Deutsch gesprochen“, sondern vielmehr die Mehrsprachigkeit. Nicht das Ersetzen der Muttersprache gegen die deutsche Sprache, sondern das Nutzen jeder sprachlichen Kompetenz für den Fremdspracherwerb. Wie das in sprachheterogenen Gruppen funktionieren kann und ohne dass die Kursleitenden die Muttersprachen der Lernenden kennen, zeigen viele Lehrwerke.
 
So ist ein guter Einstieg die Arbeit mit internationalen Wörtern, aber auch mit Lehnwörtern aus anderen Sprachen. So stammen beispielsweise Alkohol, Sofa oder Zucker aus dem Arabischen. Die Begriffe Allüren, Dekoration und Mode verdankt die deutsche Sprache dem Französischen. Auch der kontextabhängige Gebrauch von Sprache bietet Möglichkeiten, auf die Muttersprachen zurückzugreifen. Es können Vergleiche mit den Heimatländern der Lernenden und den dortigen Gebräuchen bei Themen wie Gratulation, Ausdruck von Bedauern oder Begrüßungen im Unterricht vorgenommen werden.

Auch das Übersetzen in die Muttersprache ist überaus hilfreich, vor allem bei komplexeren Strukturen. Wenn diese schließlich auch genutzt werden, um gemeinsam zu analysieren, wie man diese Strukturen in der Muttersprache formuliert. Language Awareness ist das Stichwort.

Im Alphabetisierungsunterricht kann beispielsweise muttersprachlicher Wortschatz mit lateinischen Buchstaben geschrieben werden. Die Lernenden können so schnelle Erfolgserlebnisse haben, wenn vertrauter Wortschatz in einer fremden Schrift erlesen wird.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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