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September 2018

Induktive Grammatikvermittlung

„Induktiv“ ist ein Schlagwort im modernen DaF-Unterricht – aber wie sieht das in der Praxis aus?

Die Prämisse, dass Grammatik im Deutschunterricht lediglich Mittel zum Zweck ist, hat einen Bart wie Methusalem, aber die Umsetzung dieser Erkenntnis ist in der Praxis oftmals gar nicht so einfach.

Wie die Zahnräder in einem Uhrwerk greifen beispielsweise die Konjugationsformen ins Perfekt, das Kasussystem in die Satzlogik, die Modalverben in die Konjugationsformen und wieder alles von vorn. Soll Sprache ansatzweise funktionieren, müssen Sprechende Fragen, Aufforderungen oder Wünsche auch als solche kenntlich machen können, und das geht eben nur mit der regelrechten Grammatik.

In heutigen Lehrwerken wird Grammatik in der Regel induktiv vermittelt. Ein grammatisches Phänomen ist in einen Hör- oder Lesetext eingebettet. Zwei Freundinnen unterhalten sich z. B. darüber, was sie gestern gemacht haben. Die Lernenden erleben eine kommunikative Situation, die sie verstehen können, auch wenn hin und wieder ein Wort fehlt.

Kursleitende wissen schon längst, dass es um das Perfekt geht und dass das Üben der Partizipien wie der Satzklammer bevorstehen, aber sie behalten das natürlich für sich. Denn beim induktiven Vorgehen finden die Teilnehmenden die Regel von ganz allein.

Im Fall unserer Freundinnen können die Teilnehmenden nun die Aufgabe erhalten, im Dialog, der ihnen spätestens jetzt als Lesetext vorliegen sollte, herauszusuchen, was Freundin A und B jeweils gemacht haben. Auch die Aufgabe an die Lernenden ist also in die kommunikative Situation eingebettet. Gemeinsam sollen sie über vergangene Aktivitäten sprechen und der Kursleitende lässt seine Teilnehmenden erst einmal im Nichtschwimmerbecken herumprobieren.

In dieser Phase ist der Lernprozess offen. Jede Gruppe und jeder Teilnehmende lernt anders. Manche werden ohne Probleme die Aktivitäten heraussuchen und aufschreiben. Einfach imitativ, sozusagen aus einem Bauchgefühl heraus. Möglicherweise gibt es aber auch mindestens einen Teilnehmenden, der an dieser Stelle stutzig wird, warum es hier „gemacht“ und nicht „machen“ heißt.

Jetzt ist der Weg frei die Schwimmflossen anzulegen und ins tiefe Wasser zu gehen. Eine Frage im Lernprozess bedeutet grünes Licht für die Aufnahmebereitschaft. Und selbstverständlich ist es immer noch nicht der Kursleitende, der hier die Erklärung gibt. Denn beim induktiven Vorgehen versuchen die Lernenden die Regel selbstständig zu finden. Dabei gibt es verschiedene Wege. Lassen Sie die Teilnehmenden in Gruppen herumprobieren. Helfen Sie mit Fragen. Am Ende steht auf Postern oder an der Tafel ein Schema, das die Struktur des Perfekts so einfach wie möglich darstellt.

Am Schluss sind die Teilnehmenden dran, über ihren gestrigen Tag zu berichten. Aber langsam und mit Flossen. Geübt wird erst einmal mit den Verben aus dem Beispieltext. Und nicht vergessen: Nur wer viel übt, wird am Ende ein guter Schwimmer.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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