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Mai 2019

Hörstile und deren Bedeutung im Unterricht

Wir hören nur, was wir hören wollen.

Jeder, der Kinder hat, kennt das Phänomen: Sie überhören, wenn sie etwas wegräumen sollen, aber auf die Frage, ob sie ein Eis möchten, regieren sie sofort. Bei Erwachsenen ändert sich das eigentlich nicht. Hören ist grundsätzlich selektiv.

Vor jedem Verstehensvorgang hat sich eine Absicht ausgebreitet. Denken Sie nur an das Radio am Morgen, dass so lange unbemerkt im Hintergrund spielt, bis der Wetterbericht kommt und Sie aufhorchen, ob der Regenschirm oder die Sonnenbrille in die Tasche muss. Ihre Verstehensabsicht („Brauche ich heute einen Schirm?“) und natürlich auch die Textsorte machen, dass Sie so zwar so extensiv wie möglich, aber auch nur so intensiv wie nötig zuhören. Es wird niemals alles gehört und auch verstanden, was ans Ohr dringt. Unsere Erwartungen an die Art und den Inhalt des Textes entscheiden darüber, ob überhaupt und wenn ja, wie wir zuhören. (Barbara Dahlhaus 2013).

Das ist im Fremdprachenunterricht natürlich nicht anders und bedingt daher ganz konkrete Vorgehensweisen im Umgang mit Hörtexten. So wird ganz bewusst mit dem Einsatz unterschiedlicher Hörstile gearbeitet, also unterschiedlichen Herangehensweisen an Hörtexte. Zu den gängigen Übungstypologien im Unterricht gehören daher das globale, das selektive, das selegierende oder das detaillierte Hören.

Beim globalen Hören wird die Situation insgesamt erfasst und die zentrale Information herausgehört. Die Lernenden erkennen beispielsweise, welche Personen involviert sind und identifizieren die Makrostruktur des Textes einschließlich der Schlüsselbegriffe. Oft wird das erstmalige Hören eines Textes auf das globale Hören beschränkt, um die Lernenden gewissermaßen einzustimmen.
Beim selektiven Hören konzentrieren sich die Lernenden schließlich auf einzelne, relevante Informationen des Textes, wie Orte, konkrete Namen oder Zahlen. Dabei müssen die Lernenden, zielgerichtet hören, um nur die relevanten Informationen zu entnehmen. Das gelingt, weil das selektive Hören durch Fragen zum Text und Aufgaben gesteuert wird. Dabei werden ganz geschickt das Hörinteresse und die Hörerwartungen der Lernenden gelenkt.

Beim selegierenden Hören werden Informationen aufgrund individueller Entscheidungen herausgehört. Die Lernenden bestimmen also selbstständig, was für sie wichtig ist. Dieser Hörstil kommt authentischen Hörsituation im Alltag sehr nahe. Im Fremdsprachenunterricht wird das selegierende Hören erst auf höheren Sprachlevels trainiert.

Beim detaillierten Hören schließlich wird ein ganzer Text im Detail gehört, wobei die Lernenden aufgefordert sind, möglichst jedes Wort zu verstehen. Dazu wird der Text mehrmals gehört und meistens mit Pausen, um Rückfragen zu ermöglichen.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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