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Oktober 2018

Hilft der Sichtwortschatz beim Lesen lernen?

Jeder Lesende kennt das Phänomen, dass Texte, die unvollständige Wörter enthalten, dennoch gelesen und verstanden werden können.

Das funktioniert, weil Wörter, die oft gelesen werden, im Sichtwortschatz verankert sind. Mit dem Begriff Sichtwortschatz werden also all die Wörter bezeichnet, deren Schriftbild sozusagen als Ganzes im Gehirn gespeichert ist, die demnach nicht mehr Buchstabe für Buchstabe erlesen werden müssen.

Die Kognitionspsychologie spricht an dieser Stelle auch von einem mentalen Lexikon, da sie davon ausgeht, dass es eine mentale Verbindung von schriftlicher Gestalt und Bedeutung des Wortes gibt.

Ein Trainingsziel im Leselernprozess ist es, möglichst viele Wörter im mentalen Lexikon zu beheimaten, denn die Fähigkeit ein Wort bereits durch einen einzigen Blick entziffern zu können, sorgt für eine enorme Steigerung der Lesegeschwindigkeit. Aber nicht nur das. Erst durch das Erfassen der Wörter im Ganzen sind wir auch in der Lage zu verstehen, was wir da eigentlich lesen. Und das wiederum ist die Voraussetzung für ein funktionierendes Textverständnis.

Zu Beginn des Schriftspracherwerbs gibt es lediglich eine kleine Auswahl von eher kurzen Wörtern, die von Lernenden schnell und ohne lautierendes Lesen erkannt werden können. Das sind zum einen persönlich bedeutsame Wörter. Der eigene Name oder der Name der Kinder zum Beispiel. Zum anderen können Aufschriften, Logos oder Produktnamen relativ schnell in den Sichtwortschatz aufgenommen werden. Auch so kurze Wörter wie „und“ oder „mit“ können Lernenden im Ganzes angeboten werden.

Im Schriftspracherwerb erwachsener Lernender unterstützt der bewusste Aufbau eines alltagstauglichen Sichtwortschatzes den Leselernprozess. Das außerschulische Umfeld kann dabei als Leseanlass gewonnen werden, was durchaus motivationssteigernd wirkt.

Methodisch kann man die Teilnehmenden im Alphabetisierungskurs immer wieder auffordern, Geschriebenes in der Umgebung, wie beispielsweise Straßenschilder, Bezeichnungen an Geschäften oder Plakate, zum Wiedererkennen einzelner Buchstaben bis hin zu ganzen Wörtern zu nutzen.

So können ganz zu Beginn des Schriftspracherwerbs die Logos großer Einkaufsketten dazu dienen, neben dem Wiedererkennen der typografischen Mittel auch die darin enthaltenen Buchstaben aufzusuchen.

Der Aufbau eines Sichtwortschatz ist ein wesentliches Ziel im Lesetraining. Der lautierenden Phase soll möglichst bald ein flüssiges Lesen folgen. Damit die Wörter im mentalen Lexikon landen, müssen sie immer wieder gelesen werden. Einige behaupten bis zu 100 Mal.


Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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