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Mai 2017

Heterogenität versus Homogenität

„Gleich und gleich gesellt sich gern“ oder „Gegensätze ziehen sich an“?

Die Zusammensetzung der Gruppen in den Integrationskursen hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Vor allem in den Alphabetisierungskursen ist eine Tendenz zu muttersprachlich nahezu homogenen Gruppen zu beobachten.

Genauso wie sich die Aussagen der Redewendungen „Gleich und gleich gesellt sich gern“ und „Gegensätze ziehen sich an“ ziemlich konkurrenzlos gegenüberstehen, ist dies auch mit den Vor- oder Nachteilen von muttersprachlich heterogenen und homogenen Gruppen. Beides hat Vor- und Nachteile und der Blick auf das Potenzial der jeweiligen Zusammensetzung unterstützt den Lernerfolg der Gruppe.

In der Arbeitswelt, wo Teams innerhalb eines festgesetzten Zeitrahmens Ergebnisse erreichen müssen, hat man beobachtet, dass ethnisch homogen zusammengesetzte Gruppen bei niedrig komplexen Aufgaben und bei kurzen Zeitperioden effektiver als heterogene Gruppen funktionierten, weil sie weniger Probleme in der Gruppeninteraktion hatten (Watson/Kumar/Michaelsen 1993, 590f).

Heterogene Gruppen dagegen erreichten bessere Leistungen, wenn eine hohe Aufgabendiversität bestand oder komplexe Aufgaben erledigt werden mussten. Allerdings brauchten diese Teams länger, um gut zusammenarbeiten zu können, da erst einmal der Umgang miteinander und das Verstehen des jeweils anderen erlernt werde musste. Die Unterschiedlichkeit der einzelnen Mitglieder innerhalb des Teams anzuerkennen ist mitunter eine große Hürde. Die Bedeutung der Kommunikation wie auch derjenigen Soft Skills, die mit der kommunikativen Kompetenz verbunden sind, spielen also in heterogenen Gruppen eine viel größere Rolle.

Im Fremdsprachenunterricht sind heterogene Gruppen der Alltag. Heterogen nicht nur bezogen auf die Herkunft, sondern auch auf das Geschlecht, die Religion, die Sozialisation usw. Die Antwort darauf sind binnendifferenzierende Angebote und teilnehmerorientierter Unterricht.

Gleichzeitig mit dem Erwerb der deutschen Sprache, findet durch die verschiedenen Aktivitäten im Kurs wie Gruppenarbeit, Interviews, Präsentationen, Feedback, Rollenspiel usw. eine Art „Teamfindungs-Prozess“ statt, der gleichermaßen Bestandteil des sprachlichen Kompetenzerwerbs ist.

Das Lösen von Konflikten, das Planen gemeinsamer Vorhaben (Frühstück, Exkursionen), Absprachen über Aktivitäten im Unterricht u.a. ist zum einen Bestandteil des Spracherwerbs und zum anderen wichtiges Mittel zur Gruppenfindung und zum Erzeugen eines positiven Gruppenklimas.

In muttersprachlich homogenen Gruppen ist der Rückgriff auf die Muttersprache durch die Teilnehmenden naheliegend und findet fast automatisch statt. Gerade in Anfängergruppen ist das Rekurrieren auf die Erstsprache eine sinnvolle Unterstützung im Lernprozess. Heterogen bleiben diese Gruppen im Hinblick auf die Unterschiede im Geschlecht, dem Alter, den Biografien und der Sozialisation der Teilnehmer. Auch wenn die Teilnehmer alle aus demselben Land kommen, bringen sie ein breites Spektrum an Erfahrungen und Vorwissen mit, von dem die gesamte Gruppe im Sprachlernprozess profitieren kann.

Unsere Blogauthorin: Anke Kuhnecke

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