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Dezember 2020

Formative Evaluierung

Evaluieren ist nicht gleich evaluieren

Wie so oft entscheidet auch bei der Evaluation von Lernenden das Ziel über den Weg. Im Falle des Evaluierens kann dieser Weg summativ erfolgen oder formativ. Summativ meint den Vergleich zwischen einem angestrebten Zielzustand und dem tatsächlich erreichten Zustand. In der Regel geschieht das über Richtig oder Falsch-Vergleiche.

Die formative Evaluierung dagegen ist eine zielgerichtete, kriteriengeleitete ganz individuelle Beurteilung, die von den Lernenden für den weiteren Lernprozess genutzt werden kann. Wenn man so will, werden beim formativen Evaluieren Stellwerke auf dem Weg zum Ziel errichtet. Das heißt, die Lernenden erhalten schon unterwegs ein scharf gestelltes Fernrohr in die Hand, damit sie das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Diese „Stellwerke“ erlauben Korrekturen, Interventionen oder andere Maßnahmen bereits zwischendurch.

Der Vorteil des Ganzen ist, dass die Lernenden aus der Richtig-Falsch-Falle herauskommen. Lernen kann als das wahrgenommen werden, was es ist – ein Weg mit Stolpersteinen, bei denen man manchmal mehrere Anläufe braucht.
Wie also funktioniert formatives Evaluieren? Zum einen kann es direkt erfolgen, als beschreibende und natürlich lernrelevante Rückmeldung von dem Kursleitenden direkt an den Lernenden formuliert. Es kann aber auch indirekt geschehen, praktisch als Eigenbeobachtung der eigenen Leistung.

Dabei stehen drei wesentliche Fragen im Mittelpunkt. Die erste Leitfrage lautet: Was ist das Lernziel? Und damit zusammenhängend: Was ist die eigentliche Intention? Als zweites geht es um die Frage, wo sich der Lernende (oder ich mich selbst) im Augenblick innerhalb des Lernprozesses befindet. Dabei hilft es zu reflektieren, was bereits gemacht wurde, was erreicht wurde und/oder was der Lernende schon kann.

Daraus ergibt sich logischerweise die dritte und letzte Frage. Was braucht der Lernende noch, damit er das Ziel auch erreicht? Hierbei geht es jetzt ganz konkret um Lernunterstützung, die mit Hilfe von Materialien erfolgen kann. Auch personelle Ressource spielen hier eine Rolle und Methoden, die zur Anwendung kommen können.

Es geht bei der formativen Evaluierung also darum, den Lernfortschritt des Einzelnen mithilfe gezielter und für den Lernenden nachvollziehbarer Rückmeldungen, voranzureiben. Damit gibt es einen ganz direkten Effekt auf die Feedbackkultur in der Lerngruppe und auf die Lernerautonomie im Kurs. Formatives Evaluieren bedingt damit ebenso, dass sich die Rolle des Kursleitenden zum Lernbegleiter und Lerncoach ausweitet.

 

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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