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September 2020

Evaluieren II – Der Lehrer-Fragebogen

Evaluieren ist keine Einbahnstraße, die ausschließlich zu den Lernenden führt.

Dass die Leistungen wie auch das Lernverhalten der Lernenden regelmäßig evaluiert werden, versteht sich von selbst. Dass aber auch die unterrichtsbezogenen Kompetenzen der Kursleitenden von den Lernenden evaluiert werden können, ist Vielen nicht bewusst. Dabei ist genau dies ein wesentliches Kriterium für guten Unterricht, denn auch das didaktische und methodische Handeln der Kursleitenden muss regelmäßig kritisch überprüft werden.

Zum Evaluieren stehen unterschiedliche Methoden und Instrumente zur Verfügung. Eines davon ist der Fragebogen - und in diesem Fall der Lehrer-Fragebogen zum Unterrichtsverhalten. Bei einem solchen Lehrer-Fragebogen kommt der Blick von außen, nämlich die Wahrnehmung der Lernenden, zu den eigenen Beobachtungen hinzu. Auf diese Weise erhält man eine vollständigere Einschätzung über die Qualität des eigenen Unterrichts. Gerade in Kursen mit Erwachsenen eröffnen sich darüber hinaus Möglichkeiten für das Einbinden der Lernenden in das weitere Unterrichtsgeschehen und -handeln.

Mit einem Lehrer-Fragebogen sollten ganz systematisch unterrichtsrelevante Verhaltensweisen der Kursleitenden abgefragt werden. So kann eine Frage lauten, ob der Kursleitende am Lehrertisch sitzt, eine andere, ob er von Lernendem zu Lernendem geht, ob Lernende individuell bei Aufgaben unterstützt werden, ob Fragen an die Gruppe gestellt werden oder auch ob alle Lernenden gleichermaßen wertschätzend behandelt werden.

Die Lernenden selbst bewerten nicht einfach nur mit einem Ja oder Nein, sondern mit einer 5-stufige Antwortskala: trifft voll zu, trifft stark zu, trifft teilweise zu, trifft wenig zu und trifft nicht zu. Durch diese Skalierung erhält man ein komplexeres Bild und eventuelle „blinde Flecken“ können erkannt werden.

Die Ergebnisse des Fragebogens können anschließend im Kurs diskutiert werden, um gemeinsam Konsequenzen für den weiteren Unterricht herauszufinden. Dadurch wird unter anderem das didaktische Vorgehen transparenter und die Selbstreflexion des eigenen Lernens erhält Impulse. Schließlich können auch die Lernenden durch einen Teilnehmer-Fragebogen ihren eigenen Lernprozess unter die Lupe nehmen.

Durch diese aktive Beteiligung der Lernenden wird nicht nur das autonome Lernen gefördert. Der Unterricht kann mitgestalten werden. Lernen wird auf diese Weise zu einem gemeinsamen Prozess.

Evaluation ist immer nur in beide Richtungen sinnvoll und sollte wie eine Schaukel zwischen den Akteuren des Lernprozesses hin- und herschwingen.

 

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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