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Februar 2017

Erwachsenengerechte Didaktik

Inwiefern lernen Erwachsene anders als Kinder? Und welche Konsequenzen hat das für den Fremdsprachenunterricht?

Erwachsenengerechte Didaktik ist ein fest verankerter Begriff in den Bildungswissenschaften. Sie ist eine Disziplin der Andragogik, die sich als Ergänzung zur Pädagogik versteht, der Wissenschaft von der Bildung und Erziehung von Kindern und Jugendlichen. Doch was heißt das eigentlich? Inwiefern lernen Erwachsene anders als Kinder? Und welche Konsequenzen hat das für den Fremdsprachenunterricht?

Im Laufe ihrer Lernbiografie begegnen Menschen zunächst pädagogischen, später andragogischen Maßnahmen. Mit wachsender persönlicher Autonomie steigt auch der Wunsch nach Selbststeuerung. Erwachsene wissen gewöhnlich, weshalb und was sie lernen wollen. In der Regel kommen sie freiwillig in den Unterricht. Sie dürfen deshalb erwarten, dass sie den Lernprozess mitgestalten können. Statt autoritärer Strukturen ist ein teilnehmerorientierter Unterricht angebracht. Teilnehmende sollten das Lerntempo mitbestimmen können und Lehrende ihre Kursplanung an den Bedürfnissen der Lernenden ausrichten. Für den Fremdsprachenunterricht heißt das u.a., aktuelle und alltagsnahe Lehrmaterialien einzusetzen, die thematisch und gestalterisch die Lebenswelt der Teilnehmenden repräsentieren.

Im Laufe ihres Lebens haben Erwachsene bereits viel gelernt und bringen Kompetenzen und Vorerfahrungen mit. Sie kommen meist mit einem klar formulierten Ziel in den Unterricht und wollen nun lernen, eine neue sprachliche Herausforderung zu bewältigen. Sowohl inhaltliches Vorwissen – zum Beispiel weitere Fremdsprachenkenntnisse – als auch bisherige positive Lernerfahrungen sind wertvolle Ressourcen, die den Lernprozess gewinnbringend unterstützen können.

Anders als Kinder, denen häufig Kenntnisse vermittelt werden, die sie in ihrem späteren Leben benötigen, wollen Erwachsene ihr neu erworbenes Wissen unmittelbar anwenden. Im Fremdsprachenunterricht wird Handlungskompetenz insbesondere durch die Verwendung von Lehrmaterialien begünstigt, die zur inhaltlichen Diskussion und sprachlichen Auseinandersetzung anregen.

Teilnehmerorientierung, Handlungsorientierung, Selbststeuerung und Eigenverantwortung sind deshalb zentrale Begriffe einer erwachsenengerechten Didaktik. Die Lehrenden nehmen weniger die Rolle allwissender Vermittler als vielmehr die von Lernbegleitern ein. Um erwachsene Kursteilnehmende darin zu unterstützen, selbstständig und eigenverantwortlich zu lernen, sollten im Unterricht deshalb nicht nur Inhalte, sondern auch Lernstrategien und Lerntechniken vermittelt werden. Letztendlich profitieren davon beide Seiten. Denn wenn jeder Teilnehmer für den Kurserfolg mitverantwortlich ist, entlastet dies auch die Dozenten.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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