arrow-down arrow-to-left arrow-to-right arrow-up bc-left check delete download facebook google-plus home map menu print search smiling three-lines top-left twitter youtube
Februar 2019

Die Phasen der Grammatikvermittlung

Grammatik verdaut sich besser, wenn man sie in überschaubaren Häppchen einnimmt.

Dass die Einsicht in den Regelapparat der Sprache zum Fremdsprachenerwerb zugehört, ist unumstritten. An der Frage, ob sich bewusstmachende Verfahren der Grammatikvermittlung lernfördernd oder eher lernhemmend auswirken, scheiden sich allerdings die Geister. In dieser Diskussion gerät zunehmend die Rolle der Sprachaufmerksamkeit (language awarness) in den Fokus, womit der bewusste Umgang mit den sprachlichen Phänomenen der Zielsprache gemeint ist und metasprachliches Erklären und Wiederkäuen von Grammatik in den Hintergrund rückt.

Für die Bewusstmachung sprachlicher Phänomene, also die Vermittlung von Regeln der grammatischen Strukturen, haben sich in der Praxis verschiedene Phasenmodelle bewährt, wobei zwischen drei bis fünf Phasen vorkommen.

Die SOS Grammatik arbeitet zum Beispiel mit drei Phasen: Sammeln, Ordnen und Systematisieren. Andere Modelle gehen von vier relevanten Phasen aus: Der Darbietung des Phänomens in der ersten Phase, der Regelbildungsphase in der zweiten, der Übungsphase in der dritten und schließlich der Anwendungungsphase.

Nach Günther Zimmermann werden Fünf-Phasen im sogenannten Fünf-Phasen-Modell unterschieden. Hier erfolgt in der Aufnahmephase oder auch Präsentationsphase die Einführung neuer Lehrinhalte in rein kommunikativen bzw. situativen Zusammenhängen. Das bedeutet, dass unbekanntes Sprachmaterial in Kontexten und Situationen präsentiert, dekodiert, imitiert und reproduziert wird. In der zweiten Phase, der der Einübung oder des Übens, sollen die präsentierten Strukturen automatisiert werden.

Die dritte Phase im 5-Phasen-Modell, die der Kognitivierung, also das Bewusstmachen der Strukturen, ist variabel. Sie muss nicht zwangsläufig nach der Übungsphase erfolgen, sondern dann, wenn die Lernenden oder auch der Lernstoff es erfordern.

Die vierte Phase ist die Transferphase. Hier erfolgt das Üben der zu erwerbenden Struktur in Minimalsituationen, wobei Kontextwechsel stattfinden. Ziel ist es, die neuen Strukturen auch in noch nicht eingeübten Situationen zu ermöglichen.

Die fünfte und letzte Phase ist dann die Anwendungsphase. Hier sollen die eingeübten Strukturen in echter Kommunikation erfolgen, wobei das Augenmerk nun lediglich auf dem Inhalt liegen sollte.

Grundsätzlich gilt für das Bewusstmachen sprachlicher Strukturen, dass auf die individuelle Lernfähigkeit der einzelnen Teilnehmenden eingegangen werden sollte. Im Alphabetisierungsunterricht muss dies also grundsätzlich anders ablaufen als in einem B1-Kurs. So können die einzelnen Phasen je nach Lerngruppe, Lernziel und/oder Lernvoraussetzungen verkürzt, verlängert oder sogar übersprungen werden. Wichtig ist allerdings immer, dass die neue grammatische Struktur angemessen verwendet wird und die Lernenden einen persönlichen Nutzen für sich darin erkennen können.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

Weiterempfehlen: