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August 2018

Die Grammatik-Übersetzungs-Methode (GÜM)

Viele Wege führen nach Rom und Methodenvielfalt zu einem guten Unterricht. Im Sprachunterricht bestimmen Lernziel und Lerngruppe letztendlich den Weg.

Wie der Name schon sagt, steht bei der Grammatik-Übersetzungs-Methode (GÜM) das Übersetzen im Mittelpunkt. Übersetzt werden einzelne Textpassagen bis hin zu komplexen literarischen Texten in die Muttersprache, aber auch Einzelsätze aus der Muttersprache in die Zielsprache. Auch das Lesen literarischer Texte in der Zielsprache, deren schriftliche Zusammenfassung wie auch Nacherzählung werden praktiziert. Die literarischen Lesetexte werden auch für Diktate verwendet, da das Diktat bei dieser Methode eine enorm wichtige Funktion innehat.

Die GÜM entstand bereits im 19. Jahrhundert und geht auf die in Klöstern praktizierten Übersetzungen von Texten zurück. Es ist eine deduktive Methode, bei der in der Einführungsphase die Grammatik präsentiert wird. In der folgenden Übungsphase werden dann Beispielsätze gebildet und in der abschließenden Anwendungsphase Texte zum Lehrstoff gelesen, geschrieben oder übersetzt.

Das Ziel dieser Methode ist also das Erlernen von Grammatikwissen, ebenso die Schulung der Lesekompetenz. Es wird ausschließlich an Texten geübt. Die Lektüre literarisch wertvoller Texte der Zielsprache ist also so etwas wie das Markenzeichen dieser Methode und ein untergeordnetes Ziel der GÜM ist die „Geistesschulung“.

Es geht hierbei also nicht vorrangig um die praktische Beherrschung der Sprache. Das ist zur Abgrenzung zu anderen Methoden wichtig. Diese Methode beinhaltet ein kognitives Lernkonzept, dem das mechanische Auswendiglernen von Grammatikregeln und Wortschatzlisten zugrunde liegt. Geschult werden also hauptsächlich das Leseverstehen und die Fähigkeit zu Übersetzen (vorrangig aus der Ziel- in die Muttersprache). Dem untergeordnet wird schließlich die Schreibkompetenz trainiert. Das Sprechen steht also überhaupt nicht im Zentrum. Dementsprechend findet der Unterricht auch in der Muttersprache und nicht in der Zielsprache statt.

Gängige Übungsformen der GÜM sind grammatisch korrekte Ergänzungen von Lückensätzen oder Umformungen von Sätzen (z. B. aus dem Präsens ins Perfekt und Präteritum) bis hin zu Übersetzungen. Unbekannte Wörter werden in einem zweisprachigen Vokabelverzeichnis präsentiert. Diese Vokabellisten sollen beim Lesen, Schreiben und Übersetzen helfen. Das Hin- und Herübersetzen ist also so etwas wie der Nachweis der korrekten Sprachbeherrschung.

Die idealen Lernenden für diese Methode müssen eine einheitliche Muttersprache beherrschen und im Alter- wie auch Bildungsstand möglichst homogen, aber vor allem leistungsstark sein.

Mit dem Wandel hin zum kommunikativen Sprachunterricht, dessen Ziel die mündliche Kommunikationsfähigkeit ist, ist die GÜM im Fremdsprachenunterricht nicht mehr praktizierbar. Auch ist die reine Grammatiklehre aus neurodidaktischer Sicht überholt. Allerdings enthält diese Methode in Abhängigkeit vom Lernziel und der Lerngruppe praktikable Ansätze, die man bewusst im Unterricht einsetzten kann. Denn: Viele Wege führen nach Rom.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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