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Juli 2018

Die Erwartungsabfrage im Sprachunterricht

Es lernt sich besser, was man die eigenen Erwartungen kennt.

Will man erreichen, dass Lerninhalte aus dem Unterricht von den Teilnehmenden (im Alltag) angewandt werden, ist es unabdingbar, dass die Lernenden auch die Notwendigkeit, dass sie die Inhalte irgendwann gebrauchen könnten, erkennen.

Aus Kursleitersicht scheint dies in der Regel ziemlich klar. Wie will man ohne den Konjunktiv die indirekte Rede ausdrücken oder sich ohne das Perfekt über Vergangenes mitteilen können? Den Teilnehmenden muss das bei Weitem nicht so deutlich sein. Die grammatische Struktur Konjunktiv ist beispielsweise viel zu abstrakt, als dass sie problemlos von jedem auf Alltagssituationen übertragen werden könnte.

Um den Transfer abzusichern, sind andere Methoden als lediglich die Vermittlung von Grammatik gefragt. Eine stammt aus dem Repertoire der Feedbackmethoden und wird zum Einstieg in Seminare benutzt: die Erwartungsabfrage.

Wie der Name bereits verrät, geht es dabei um die Erwartungen der Teilnehmenden. In ausgewählten Kontexten lässt sich diese Methode auch im Sprachunterricht anwenden. Und falls Sie glauben, dies sei reine Zeitverschwendung, sollten Sie sich bewusst machen, was zum Beispiel beim so genannten Placebo-Effekt geschieht, bei dem wirkungslose Medikamente dazu beitragen, dass Personen gesunden.

Klare Vorstellungen von dem, was uns erwartet, steigern nachweislich den Lern- und Transfererfolg. Man hat herausgefunden, dass Erwartungen die Wahrnehmung verzerren, was als Confirmation Bias bezeichnet wird. Ein Effekt davon ist, dass wir uns offensichtlich unbewusst mehr anstrengen, damit unsere Erwartungen auch erfüllt werden (beim Placebo-Effekt wird dabei die gesamte Maschinerie der Selbstheilungskräfte angeworfen).

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Erwartungsabfrage durchzuführen. So kann zum Beispiel jeder Teilnehmende auf eine Karte oder einen Fragebogen seine Erwartungen an das Thema, die Lektion, oder einen bestimmten Lerninhalt schreiben. Dies wird im Plenum besprochen. Unrealistische oder überhaupt nicht zum Thema gehörende Erwartungen sollten dabei geklärt werden.

Um die Erwartungen zu kategorisieren, kann man sie auch nach Ähnlichkeit, Relevanz oder Präferenz sortieren. Aber auch die Kategorien „Must“, „Should“, „Could“ und „Won´t“ bieten vor allem bei themenbezogenen Abfragen in höheren Niveaustufen gute Einstiegsmöglichkeiten. Dabei kann in Gruppen gearbeitet werden, in denen die Teilnehmenden selbstständig die Kategorisierung vornehmen. Hilfreich sind Poster und Plakate, die die Ergebnisse für alle sichtbar machen.

Eine Erwartungsabfrage ist allerdings erst nach dem Themen- oder Inhaltsabschluss beendet. Dann nämlich werden die Karten, Poster oder Fragebögen wieder betrachtet und überprüft, ob die Erwartungen erfüllt wurden.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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