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Juni 2019

Die Buchstabenprogression im Alpha-Unterricht

Eins ist klar: In der Reihenfolge des Alphabetes ist das Ganze nicht sehr sinnvoll.

In welcher Reihenfolge allerdings die Buchstaben im Alphabetisierungsunterricht mit nicht muttersprachlichen Erwachsenen eingeführt werden sollen hängt von ganz unterschiedlichen Kriterien ab. Wie immer führen viele Wege nach Rom. Die Frage der Buchstabenprogression ist dabei vor allem für Autoren der Alpha-Lehrwerke relevant, die unter Beachtung der folgenden Kriterien, die Entscheidung für die eine oder andere Reihenfolge zu treffen haben.

Die Vorkommenshäufigkeit des jeweiligen Buchstaben ist ein ganz wesentliches Kriterium, wobei die Vorkommenshäufigkeit sich darauf bezieht, wie oft ein Buchstabe in unterschiedlichen Texten auftritt. Je nach Textsortenwahl ergeben sich daraus schließlich auch minimale Unterschiede in der Häufigkeitsrangliste (siehe Schubenz 1979 oder Hörmann 1977). Für den Alphabetisierungsunterricht mit nicht deutschsprachigen Lernenden sind letztendlich jene Textsorten relevant, wie sie aus den Lehrwerken extrahiert werden. Das betrifft auch den Wortschatz, der im Wesentlichen unter dem Aspekt des Teilnehmerbezugs ausgewählt wird.

Die Vorkommenshäufigkeit ist aber bei Weitem nicht das einzige Kriterium. Auch akustische Aspekte spielen eine wichtige Rolle.  Zuerst können also die Vokale und anschließend die dehnbaren Konsonanten, wie „s“, „m“ oder „n“, eingeführt werden, da diese in der Regel von den Lernenden auf akustischer Ebene leichter erkannt werden.

Auch die optische Einprägsamkeit gilt es zu bedenken. So sind „i“ und „o“ wesentlich leichter zu erlernen, als „k“ oder „ß“, wobei es an dieser Stelle über die Unverwechselbarkeit nachzudenken gilt. Optisch ähnliche Buchstaben wie „d“ und „b“, „p“ und „d“ oder „m“ und „n“ bergen die Gefahr der Interferenz. Werden diese Buchstaben zu nah beieinander oder gar gleichzeitig eingeführt, können die Lernenden Probleme bei der Differenzierung haben. Das betrifft übrigens auch die phonetische Ähnlichkeit, wie sie zum Beispiel bei „d“ und „t“ oder „m“ und „n“ auftritt. Die nur sehr minimalen phonetischen Unterschiede erschweren hier die Diskriminierung.


Letztendlich ist im Erwachsenunterricht die Relevanz für die Lernenden ein wesentlicher Aspekt, der dazu führt, das viele Lehrwerke beispielsweise den eher selten vorkommenden Buchstaben „w“ oder die Buchstabenkombination „ei“ recht früh einführen, so dass die unbestimmten Artikel wie auch die W-Fragen schon bald schriftlich vermittelt werden können.

Zum Schluss soll das Prinzip der Einfachheit, das man ebenfalls in der Literatur findet, nicht unerwähnt bleiben. Allerdings ist dieses Kriterium unter anderem in Bezug zu der jeweiligen Muttersprache zu sehen und wird durch Beobachtung der Lernenden entsprechend eingebracht.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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