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September 2019

Dialoge im Sprachunterricht I

Dialoge sind für den Sprachunterricht das, was für die Suppe das Salz ist.

Der Begriff Dialog stammt aus dem Altgriechischen, wo es so viel wie Unterredung oder Gespräch bedeutetet, aber auch einen Aspekt vom Fließen von Worten beinhaltet. In unserem Alltagsverständnis ist ein Dialog ein Gespräch oder im weiteren Sinne auch eine schriftliche zwischen zwei oder mehreren Personen geführte Rede und Gegenrede.

Spannend ist hierbei der Ansatz des Physikers David Bohm (1917-1992), der sich in seiner späteren Schaffensphase mit dem Thema Dialog auseinandersetzte. Er betonte die Unterscheidung zwischen Diskussion und Dialog. In einer Diskussion, vom lateinischen discutere, etwas zerschlagen, zerteilen oder zerlegen, ginge es, so Bohm, um ein Auseinandernehmen der Ganzheit. In einem Dialog dagegen ginge es um einen „freien Sinnfluss, der unter uns, durch uns hindurch und zwischen uns fließt“. Wir partizipieren also, beteiligen uns und denken miteinander, nicht gegeneinander.

Es lohnt sich, diese Aspekte einmal in Bezug auf den Sprachunterricht zu durchdenken. Im kommunikativen Fremdsprachenunterricht besteht die Herausforderung darin, die Kommunikationsform Dialog für den Lernenden derart aufzubereiten, dass er in und mit der Sprache gleichzeitig handelt wie auch lernt.

Ob ein Dialog tatsächlichen einen Lerneffekt auslösen kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zu allererst sollten die verwendeten Dialoge alltagsrelevant sein und möglichst nah an die reale Kommunikation herankommen. Das heißt, dass auch verschiedenste Dialogformen und -inhalte, wie zum Beispiel Vier-Augen-Gespräche, Interviews oder Streitgespräche, im Unterricht ihren Platz finden sollten. Unterstützend wirkt die Verwendung authentischer Materialien, wie reale Interviews aus Zeitschriften und Magazinen, Filmdialoge aus You-Tube Videos oder Kurzfilmen etc.

Für das Erlernen der Fremdsprache ist es aber auch wichtig, dass ein Dialog relevante Routineformeln, also Redemittel, enthält. Und nicht zuletzt sollte der soziale Kontext, in dem der Dialog stattfindet, deutlich abgegrenzt und definiert sein, so dass den Lernenden von vornherein klar ist, wer gerade wo, wann, mit wem und mit welcher Absicht spricht. Durch den Einsatz von Dialogen kann eben nicht nur die Sprachkompetenz erweitert werden, sondern auch Lebenserfahrung und soziale Kompetenz der Lernenden.

Dialoge im Unterricht sollten den Lernenden schließlich auch die Möglichkeit zu Variationen bieten. Ein persönlicher, also teilnehmerorientierter Bezug funktioniert immer. Um das Sprechen zu motivieren, also die Sprechlust der Lernenden zu fördern, ist es auch hilfreich, wenn der Dialog emotional auf die Lernenden wirkt. Das kann beispielsweise auch durch die Wahl der Themen sowie der Personen, mit denen sich die Lernenden identifizieren können, erreicht werden.

Je größer die persönliche Relevanz für den Lernenden ist, um so größer ist auch die Motivation und schließlich der Lerneffekt. Das gilt übrigens immer – nicht nur für Dialoge.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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