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Januar 2021

Das Lerntagebuch

Ist das nur etwas für Studierende oder klappt das auch im Deutschunterricht?

Lerntagebücher sind ein sehr brauchbares Mittel auf dem Weg zur Lernerautonomie. Oft wird der Aufwand im Sprachunterricht gescheut. Allerdings sollten gerade im Unterricht mit Erwachsenen Arbeitsformen des selbstständigen Lernens ausprobiert und angeleitet werden. Außerdem ist das Thema selbstgesteuertes Lernen ein wichtiger Aspekt im Online-Unterricht. Und nicht zuletzt kann ein Lerntagebuch eine nachhaltige Alternative zu Hausaufgaben in Form von Lückentexten und Co sein. 

Wie bei einem echten Tagebuch geht es beim Lerntagbuch zum einen um die Regelmäßigkeit, zum anderen darum, einen persönlichen Stil zu finden. Während ein persönliches Tagebuch in der Regel zu einer Art Zwiegespräch des Schreibenden mit sich selbst genutzt wird, ist das Lerntagebuch durchaus wie ein Lernpartner anzusehen. Einer, mit dem man Highlights und Schwachstellen „besprechen“ kann.

Ein Lerntagbuch soll vor allem dazu dienen, den eigenen Lernprozess zu reflektieren. Das heißt, hier sollten vor allem Lern- und Arbeitsstrategien reflektiert werden. Das Ganze muss nicht so langweilig sein, wie es im ersten Moment klingt. Wie immer steuert die Aufgabenstellung auch den Spaß. So können die Lernenden zum Beispiel aufgefordert werden, erst einmal nur das in ihrem Lerntagbuch zu benennen, was sie am Kurstag am spannendsten fanden. Es kann aber ebenso um das Eigenartigste oder auch das Langweiligste gehen. 

Mit der Frage, was an dem Aspekt spannend, eigenartig oder langweilig war, beginnt dann die Reise hin zur Bewusstmachung des eigenen Lernprozesses. Die große Stärke von Lerntagebüchern ist die daraus resultierende Überwachung des eigenen Verstehens (oder Nicht-Verstehens). 

Für den Fremdsprachenunterricht sollte die Arbeit mit dem Lerntagebuch unbedingt angepasst werden. Man kann pro Thema, pro Tag oder pro Lektion im Kursbuch vorgehen. Geeignete Fragestellungen können wie folgt lauten: Welche Aspekte des Gelernten kann ich direkt anwenden? Wo, wann oder wie kann das geschehen? Welche Fragen sind offengeblieben? Was ist unklar oder kommt mir falsch vor? Was ist für mich persönlich wichtig und nützlich, so dass ich es gerne behalten möchte? Kann ich das kurz und prägnant definieren/wiederholen? 

Neben einer Fragestellung sollte auch der Umfang vorgegeben werden. Das hilft bei der Orientierung und wirkt obendrein motivierend, wenn man es als „nur eine Seite“ oder „nicht länger als 20 Minuten“ formuliert. 

Auch die Bewertungskriterien sollten offen liegen. Der Fokus sollte hierbei weniger auf dem sprachlichen Können als auf Kriterien wie Strukturiertheit, Reflexion des eigenen Lernens oder auch dem kritischen Abwägen liegen. 

 

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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