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Juni 2018

Beim Sprechen korrigieren – soll man das?

Wie geht man mit Fehlern beim Sprechen um? Ein guter Ansatz ist, einmal zu schauen, was in Gesprächen außerhalb des Kursraumes eigentlich geschieht. 

Nehmen wir an, ich bin in Helsinki und möchte zum Bahnhof, aber meine zusammengestümpelte, vermeintlich finnische Frage kommt beim Empfänger nicht an. Kein Mensch wird mir an dieser Stelle die korrekt formulierte Frage vorsprechen, damit ich sie nachspreche. Im Gegenteil wird mir eindeutig signalisiert werden, dass es Verständnisschwierigkeiten gibt. „Wie bitte?“ oder „Wo möchten Sie hin?“ würde die ganz normale Reaktion auf solch eine Situation sein. Und genau das sollte auch im Kursraum stattfinden. 

In der Forschung hat man vier Formen der Fehlerkorrektur herausgefiltert. Da ist zuerst die fremdinitiierte Fremdkorrektur. Der Sprecher bemerkt seinen Fehler nicht. Sein Gegenüber bremst die Kommunikation und nennt die korrekte Version. Das ist die für den Lernfortschritt am wenigsten geeignete Variante. Sie stoppt nicht nur den Gesprächsfluss des Sprechers und reißt ihn damit aus dem gedanklichen Abarbeiten seiner Sprechabsicht, sie ist obendrein auch wirkungslos, da das Gehirn für Korrektur in dieser Phase überhaupt nicht aufnahmebereit ist. 

Die zweite Form ist die selbstinitiierte Fremdkorrektur. Hier bemerkt der Sprecher seinen Fehler, wird aber von jemand anderem korrigiert. Dass der Fehler bemerkt wird, ist bereits ein großer Lernfortschritt und sollte durch den Kursleitenden positiv bewertet werden. Die korrekte Struktur ist in dieser Phase noch nicht abrufbar. Lernende fordern hier die Korrektur oftmals ein, die auch durch andere Teilnehmende erfolgen kann und sollte, vor allem wenn in Kleingruppen gearbeitet wird. 

Bei der dritten Form geht es um fremdinitiierte Selbstkorrektur, bei der der Sprecher lediglich auf seinen Fehler aufmerksam gemacht wird und sich selbst verbessert. Die vierte kommt im Unterricht eher selten vor: die selbstinitiierte Selbstkorrektur, bei der der Sprecher seinen Fehler selbst bemerkt und ihn ohne Hilfe von außen korrigiert. 

Selbstkorrektur ist ein wichtiges Element beim Umgang mit Fehlern im Sprachunterricht. Sie bietet den Lernenden die Chance, den “Patzer” selbst auszumerzen, was ein Erfolgserlebnis garantiert. 

Bei den Fragen, wie oft und was korrigiert wird, gehen die Meinungen auseinander. Eine Faustregel ist, den Lernenden eindeutig zu signalisieren, wenn ihre Sprechintention nicht ankommt. Unverständliche Sätze können nicht gelobt werden, aber repariert. Das funktioniert über Nachfragen, Rede und Gegenrede, wie im eingangs erwähnten Beispiel an der Bushaltestelle.

Der große Vorteil: Man bleibt im Gespräch und sollte es stocken, kann der Kursleitende Vorschläge mit „Meinten Sie..?“ machen. 

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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