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November 2020

Backwash-Effect oder Washback-Effect

Im Netz findet man beides – meint aber das Gleiche.

Jeder Kursleitende im Deutschunterricht kennt das, kurz vor der Prüfung wird es eng. Jetzt heißt es üben, was da Zeug hält. Viele Kursleitende finden, dass es einfach mehr Modelltests geben sollte, damit man die Lernenden wieder und wieder durch alle erdenklichen Varianten der Prüfungsaufgeben schicken kann. Die Frage ist allerdings, wie viel prüfungsnahes Exerzieren tatsächlich den Prüfungserfolg garantiert?

Wie immer liegt die Wahrheit genau dazwischen. Backwasch-Effekt wird der direkte oder auch indirekte Effekt von Prüfungen auf die Lehrmethoden im Fremdsprachenunterricht genannt. Interessanterweise bezeichnet der Begriff Backwash-Effekt im geografischen Kontext den Vorgang, bei dem periphere Ressourcen zugunsten der Entwicklung von Zentren abgegeben werden.

Das Bild kann auch auf den Unterricht übertragen werden: Wenn das Zentrum die Prüfung ist, kann Backwash durchaus einen positiven Effekt bezeichnen. Nämlich dann, wenn die Lernenden mit Ablauf, Aufgabenformen und Strategien des Prüfungsformats auf zielgerichtete Weise vorbereitet werden. Dass man dabei die „periphere“ Ressource „Kommunikation im Alltag“, zugunsten der Entwicklung der Prüfungskompetenz vernachlässigt, sollte allen Beteiligten jedoch stets bewusst sein.

Der negative Effekt von Backwash tritt dann ein, wenn der gesamte Unterricht lediglich aus testbaren Einheiten besteht und eine Richtig-Falsch-Aufgabe oder eine Imitation von Prüfungsaufgaben die andere jagt. Auch wenn der reine Drill im Unterricht überwiegt und ein roter Faden nicht mehr ersichtlich ist. Eine Übung wird an die andere gereiht, ohne inhaltliche Überleitung oder kommunikatives Ausprobieren.

Das Problem ist, dass auf diese Weise auch Fehler der Lernenden lediglich negativ wahrgenommen werden. Die Lernenden stehen geradezu unter Zeitdruck die richtigen Antworten zu liefern. Das Ausprobeiren und Handeln mit und in der Sprache fallen dabei hinten runter. Genauso wie der konstruktive Umgang mit Fehlern. Echte Kommunikationssituationen, bei denen es ja nicht um richtig oder falsch geht (und gehen kann), finden einfach nicht statt. Außerdem liegt es im Ding der Sache, dass diese Form des Unterrichts größtenteils lehrerzentriert und lehrergesteuert ist.

Wie kommt man also aus der Backwash-Falle heraus? Zuallererst mit einem Fokuswechsel: Weg von der Form und hin zum Inhalt. Nicht die Frage, wie die Lernenden das Passiv üben können, sondern was sie damit, in welchen Situationen tun können, steht praktisch im Mittelpunkt. Außerdem sollten die lernbegleitenden Tests mehr am Lernenden orientiert werden und den Lernstand auf vielfältige Weise sichtbar machen.

 

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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