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August 2018

Automatisierungsübungen im Sprachkurs

Freies Sprechen oder Drill? – Wie immer kommt es auf die Mischung an.

Eine der grundlegenden methodisch didaktischen Aufgaben im Sprachunterricht ist es, explizites Sprachwissen in implizites, also jederzeit abrufbares, Wissen umzuwandeln.

Am besten kann man das vielleicht mit Bewegungsabläufen vergleichen, zum Beispiel beim Jonglieren. Will man lernen, wie man mindestens drei Bälle gleichzeitig in der Luft hält, muss man einfach viel üben. Auch im Sprachunterricht brauchen die Teilnehmenden die Gelegenheit zum ständigen Wiederholen, um Wortschatz oder grammatische Strukturen zu verarbeiten.

Das Zauberwort sind Automatisierungsübungen. Dabei ist das Bewusstmachen der jeweiligen Regel nicht unbedingt nötig. Es geht vielmehr um das Re-produzieren sprachlicher Strukturen.

Das bedeutet, dass Automatisierungsübungen im Gegensatz zu kommunikativen Aufgaben stark gesteuert sind. Sie bieten kaum Spielraum zum freien Sprechen, da ausschließlich eine bestimmte Struktur wiederholt werden soll. Lediglich die Elemente innerhalb der Struktur können variieren.

Ein gutes Beispiel für Automatisierungsübungen sind Kettenübungen. Beispielsweise das beliebte Ich-packe-meinen-Koffer-Spiel, mit dem Wortschatz, der Akkusativ oder auch die Adjektivdeklination trainiert werden können.

Kritiker von Automatisierungsübungen finden den Drill in kaum authentischen Situationen bedenklich. Das reine „Nachplappern“ würde den im Alltag geforderten Sprechaktivitäten nicht entsprechen. Dennoch haben Automatisierungsübungen unbedingt ihre Berechtigung. Denn es geht dabei nicht um gedankenloses Nachplappern, sondern um Training und Wiederholung – eben wie beim Jonglieren. Je öfter man die Bälle hin und her wirft, um so besser klappt es, bis man schließlich gar nicht mehr darüber nachdenkt.

Automatisierungen beinhalten formfokussierte Übungen, in denen sich die Lernenden tatsächlich nur auf die sprachlichen Strukturen oder Redewendungen konzentrieren können. Damit sind sie zur gezielten Vorbereitung für inhaltsbezogene Aufgaben unabdingbar. Sie garantieren sozusagen die Bereitstellung des sprachlichen Materials, mit dem die Lernenden dann frei jonglieren können.

Natürlich ist dabei darauf zu achten, dass die geübte Form tatsächlich ein sprachlich relevantes und im Alltag gebräuchliches Muster enthält. Mit Fokus auf die Teilnehmerorientierung kann man schließlich noch einen Schritt weitergehen, indem die Lernenden mit ihrem individuellen Wortschatz (oder Thema) arbeiten. Der persönliche Bezug ist gerade bei Automatisierungsübungen enorm wichtig.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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