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März 2020

Auswahlkriterien für den Wortschatz unter der Lupe

Allgemeine Kriterien oder Zielgruppe – wer entscheidet eigentlich über den Wortschatz?

Um als Deutschlernender alltägliche Situationen sprachlich meistern zu können, wird ein passiver Wortschatz von ungefähr 8000 Wörtern und ein aktiver Wortschatz von 2000 Wörtern benötigt. Das klingt auf den ersten Blick überschaubar, aber so einfach ist es letztendlich doch nicht. Denn, welche Wörter die Lernenden tatsächlich für ihren ganz konkreten Alltag brauchen, ist nicht so einfach über einen Kamm zu scheren.

Grundsätzlich ist der relevante Wortschatz ebenso von den Lernenden abhängig, wie auch die Lerninhalte, denn für Teilnehmende in einem allgemeinen Integrationskurs ist ein ganz anderer Wortschatz nützlich als für solche, die in einem berufsorientierten Kurs teilnehmen. Nützlicher Wortschatz ist also das Stichwort. Aber woher weiß man, welcher Wortschatz für welchen Lernenden nützlich ist?

Ein wichtiges Auswahlkriterium bei der Ermittlung des Wortschatzes für gängige Wortschatzlisten ist z. B. die Häufigkeit, also welche Wörter in Texten besonders häufig vorkommen. Bei der Auswahl nach Häufigkeit hängt es allerdings stark davon ab, welche Textsorte untersucht wird. Es liegt auf der Hand, dass in literarischen Texten ein anderer Wortschatz als in Zeitungstexten zu finden ist – genauso wie es einen relevanten Unterschied zwischen dem Repertoire an Wortschatz bei Hör- und Lesetexten gibt.

Andere Kriterien, die zur Auswahl von relevantem Wortschatz für den Fremdsprachenunterricht eine Rolle spielen können, sind die Brauchbarkeit, die Verstehbarkeit und die Lernbarkeit (Gerhard Neuner, 1990, 1991). Brauchbarkeit meint hier, welchen Wortschatz die Lernenden für ihre spezifischen Bedürfnisse eigentlich benötigen. Dazu sollten Bedarfsanalysen durchgeführt werden, denn der grundlegende Wortschatz ist stark durch das Ziel des jeweiligen Kurses bestimmt. Bei Verstehbarkeit geht es darum, in welchem Verhältnis Ziel und Muttersprache stehen und inwiefern eventuelle Kulturkontakte existieren. Bei der Lernbarkeit wird schließlich davon ausgegangen, dass bestimmte Wörter für Lernende leichter zu behalten sind als andere.

Zu leichten Wörter werden z. B. solche gerechnet, die über verschiedene Sinneskanäle vermittelt werden können, ebenso solche, die gut in Kontexte eingebettet werden können und sich entsprechend leichter erklären lassen. Auch Wörter, zu denen die Lernenden eigene Erfahrungen haben oder die Erinnerungen oder Vorstellungen bei den Lernenden wachrufen, sie also emotional berühren, gehören hierher.

Im teilnehmerorientierten Unterricht sind es also vor allem die Lernenden mitsamt ihren Bedürfnissen und Zielsetzungen, die bei der Auswahl des Wortschatzes in Betracht gezogen werden sollten.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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