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Juli 2017

Rituale im DaZ/DaF-Unterricht

So strukturieren Sie den Kursalltag und erleichtern Ihren Teilnehmenden den Zugang zur Fremdsprache

daf unterrichten blog

Rituale strukturieren unsere Umwelt und Umgebung. Das fängt übrigens bei den meisten am Morgen mit dem Kaffee und den darauffolgenden Gewohnheiten an, über die schon gar nicht mehr nachgedacht wird. Solche sich derart wiederholenden Abläufe nennt man Rituale. Sie vereinfachen uns das Leben, stabilisieren und schaffen Ordnung in einer überbordenden Welt. In der Gesellschaft haben sie darüber hinaus etwas Gemeinschaftsstiftendes, indem sie das Wir-Gefühl stärken.

All das macht Rituale zu einem äußerst wichtigen Moment im DaZ/DaF-Kurs. Sie strukturieren den Kursalltag und vermitteln den Teilnehmenden Sicherheit und Orientierung. Außerdem wirken sie sich positiv auf das Gruppenklima aus. Einzelnen Teilnehmenden können sie auch den Zugang zur Fremdsprache oder dem Kurs überhaupt erleichtern.

Auch wenn das Etablieren wie auch konsequente Umsetzen von Ritualen einiges an Zeit und Energie erfordert, überwiegen die Vorteile. In vielen Kursen sind Begrüßungs- und Abschiedsrituale (z.B. den Raum aufräumen) selbstverständlich. Einfache Standardformulierungen zu Beginn, wie „Guten Tag“, „Guten Morgen“ und „Wie geht es Ihnen“, vermitteln Sprachanfängern das Gefühl, die ersten kurzen Minuten eines Gespräches händeln zu können. Darüber hinaus können die Teilnehmenden mit diesen ersten Minuten der Begrüßung auch mental im Klassenraum ankommen.

Erwachsene bringen oft ihren Alltag mit in den Unterricht und können dann schwer umschalten. Mit der Möglichkeit des Austausches (über das Jobcenter, die Schule, das kranke Kind) kann es leichter gelingen, direkt zum Kursgeschehen überzugehen. In Schulen gibt es oft einen Kummerkasten – auch erwachsene Lerner brauchen eine Möglichkeit „das Gepäck“ mal irgendwo abzustellen.

Weitere Möglichkeiten für Rituale bieten Wochenanfänge oder -enden, jahreszeitliche Abläufe, Feiertage und Geburtstage. Ebenso sollten aber auch lernrelevante Momente ritualisiert werden. So zum Beispiel der Wechsel der Sozialformen, das Ende von Arbeitsphasen, das selbstständige Arbeiten (mit Vokabeln, Lernwortschatz, Briefen…), Diktate mit anschließender Selbstkontrolle, das gemeinsame Korrigieren (Hausaufgaben, Übungen) und so weiter. Durch wiederkehrende Vorgehensweisen wird der Lernprozess optimiert und wertvolle Unterrichtszeit gespart.

Aber Vorsicht – Rituale sollten niemals zu zwanghaften Mustern erstarren. Der schmale Grat zwischen Erleichterung des Unterrichts oder die Teilnehmenden schalten ab, muss regelmäßig reflektiert werden. Wenn die Begrüßungsfloskeln schon längst bei allen sitzen und nur noch heruntergeleiert werden, wird es Zeit, zur Begrüßung doch auch mal über das Wetter oder Fußball zu reden. Rituale machen nur Sinn, wenn Sie auch ihren Zweck erfüllen.

Unsere Blogautorin: Anke Kuhnecke

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