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Dezember 2014

Weihnachtsspende 2014

Die gemeinnützige telc GmbH unterstützt German Doctors e.V.

In diesem Jahr unterstützt die gemeinnützige telc GmbH die Organisation German Doctors e.V., die Ärztinnen und Ärzte in medizinisch unterversorgte Gebiete u. a. in Westafrika entsendet, mit einer Weihnachtsspende. Zur feierlichen Scheckübergabe empfing telc Geschäftsführer Jürgen Keicher James Jacobsen als Vertreter der German Doctors in der telc Zentrale in Frankfurt. James Jacobsen, der selbst vier Sprachen beherrscht, engagiert sich seit Jahren als German Doctor und war mehrfach bei Einsätzen im Ausland aktiv.

Im Gespräch stellte der erfahrene Chirurg die Arbeit des German Doctors e.V. vor und berichtete über seine persönlichen Erfahrungen und seine Motivation, Menschen in Not zu helfen.

Erfahren Sie mehr in unserem Interview!


Herr Jacobsen, was macht die Organisation German Doctors und was sind ihre Schwerpunkte?

Der German Doctors e.V. ist eine humanitäre Hilfsorganisation mit Sitz in der Bundesstadt Bonn, die als sog. NGO in medizinischen Notstandsgebieten tätig ist. Der Verein entsendet unentgeltlich arbeitende Ärztinnen und Ärzte in insgesamt neun Projekte auf den Philippinen, in Indien, Bangladesch, Sierra Leone, Kenia und Nicaragua. Seit 1983 haben die German Doctors mehr als 6.100 Einsätze mit rund 2.850 Ärztinnen und Ärzten durchgeführt. Dabei wurden schätzungsweise über 12 Millionen Patienten behandelt.

Ziel unserer Arbeit ist sowohl die medizinische Versorgung der notleidenden Bevölkerungen zu verbessern – bzw. überhaupt erst möglich zu machen – und einheimisches Personal auszubilden, um Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Der Leitspruch der Organisation ist: Hilfe, die bleibt. Außerdem sorgen wir präventiv z. B. durch Ernährungsprogramme und Hygieneschulungen für die Gesundheit unserer Zielgruppe. Wir gewähren allen Menschen ohne Ansehen von ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Staatsangehörigkeit, politischer Überzeugung oder sonstigen Unterscheidungsmerkmalen vor allem medizinische Hilfe.

Ein Schwerpunkt unserer aktuellen Arbeit ist die Eindämmung der Ebola-Epidemie in Sierra Leone. Dort machen wir mit Unterstützung durch das Auswärtige Amt eine großangelegte sechsmonatige Aufklärungskampagne. Ziel ist es, einheimische medizinische Kräfte aber auch traditionelle Heiler, Dorfälteste, religiöse Persönlichkeiten und andere Menschen, die das Vertrauen der Einheimischen genießen, über das Virus und dessen Verbreitung aufzuklären. Zudem wollen wir Ebola-Verdachtsfälle aufspüren und sie in eines der Behandlungszentren überführen. Auch wollen wir Patienten, die an anderen Erkrankungen leiden – Malaria, Durchfälle, Tuberkulose, Schwangerschaftskomplikationen – dazu bewegen, unser Krankenhaus in Serabu aufzusuchen, um sich dort behandeln zu lassen. Im Moment bleiben viele dieser Krankheiten unbehandelt, da die Patienten aus Angst vor einer Ansteckung mit Ebola den medizinischen Einrichtungen fernbleiben.

Warum haben Sie sich für einen englischen Namen entschieden?

Die Organisation wurde 1983 unter dem Namen "Ärzte für die dritte Welt" gegründet und 2013 in German Doctors umbenannt. Wir haben diesen englischen Namen gewählt, da die Organisation international tätig ist, aus dem Namen bereits das Tätigkeitsprofil ablesbar ist und wir seit Anbeginn unserer Arbeit von unseren Patienten als German Doctors bezeichnet werden – jedenfalls dort, wo unsere Patienten und/oder die einheimischen Mitarbeiter Englisch sprechen.

Nach welchen Kriterien werden Ärztinnen und Ärzte ausgewählt, die ins Ausland geschickt werden?

Die Kolleginnen und Kollegen werden nach fachlicher Qualifikation und nach ihren Sprachkenntnissen ausgewählt. Natürlich wird auch darauf geachtet, dass ein Team – vor allem dort, wo zeitgleich mehrere German Doctors im Einsatz sind – eine gesunde Alters-, Erfahrungs-, und Geschlechterdurchmischung hat.

Kommt es manchmal dazu, dass Ärztinnen und Ärzte Angst vor Erkrankungen (wie z. B. Ebola) bekommen und ihren Einsatz früher beenden?

Aus Angst wurde noch kein Einsatz abgebrochen. Alle Ärzte wissen um die Risiken in den Einsätzen. Die aktuelle Ebola-Epidemie ist natürlich eine Ausnahmesituation. Aber selbst in dieser Lage gibt es Freiwillige in den Reihen der German Doctors, die sich mit den Menschen vor Ort solidarisch zeigen und in den Einsatz nach Sierra Leone fliegen. Eine German Doctors-Langzeitärztin ist seit Monaten in Serabu im Einsatz und im Rahmen unseres Nothilfeprogramms folgen drei weitere German Doctors.

Natürlich kommt es vor, dass ein Arzt im Einsatz krank wird und nach Hause geflogen werden muss. Es gab auch schon politische Unruhen und Gewalt in verschiedenen Einsatzländern und aus Gründen der Sicherheit mussten Einsätze vorzeitig beendet werden. Aber das sind Ausnahmen.

Wie wichtig sind Fremdsprachen für die Ausübung des Arztberufes oder der Koordinationsstellen im Ausland?

Fremdsprachen sind für die Arbeit in den Projekten unverzichtbar. Zwar haben wir meist einen Dolmetscher zur Verfügung, mit diesem müssen wir uns aber auch sicher verständigen können. Und das erfolgt in der Regel in Englisch oder Spanisch. Unsere Patienten sprechen die verschiedensten Sprachen und Dialekte. Die Dolmetscher übersetzen diese ins Englische oder Spanische und andersherum. Mit Deutsch kommen wir in unseren Einsatzgebieten nicht weit.

Spielen beim Auswahlprozess für den ausländischen Einsatz auch Fremdsprachkenntnisse eine Rolle? Wie wird die Sprachkompetenz gemessen? Was unternehmen Sie, wenn Sie eine exzellente Fachkraft ohne ausreichende Fremdsprachenkenntnisse haben?

Für den Auswahlprozess, welcher Arzt in welchem Projekt arbeitet, spielen Sprachkenntnisse durchaus eine Rolle. So ist es beispielsweise notwendig für einen Einsatz in Nicaragua ausreichend Spanisch zu sprechen. Auch eine exzellente Fachkraft kann ohne Fremdsprachenkenntnisse nicht in einem unserer Projekte arbeiten. Mangelnde Sprachkenntnisse sind also ein echtes Ausschlusskriterium. Tatsächlich gemessen werden die Sprachkenntnisse bei den German Doctors nicht. Wir vertrauen darauf, dass die Ärzte sich an dieser Stelle selbst realistisch einschätzen, wenn sie sich bei uns bewerben. Dass keiner der Beteiligten etwas von einem Arzt hat, der keinen versteht und von keinem verstanden wird, ist aber allen klar. 

Im Sinne der Bekämpfung des Ärztemangels in Deutschland hat die gemeinnützige telc GmbH einen Sprachtest für ausländische medizinische Fachkräfte entwickelt: telc Deutsch B2-C1 Medizin. Kennen Sie bereits unseren Sprachtest? Wie wichtig ist es aus Ihrer Sicht, dass Sprachkenntnisse in medizinischen Berufen getestet werden?

Ein Sprachtest für Mediziner aus nicht deutschsprachigen Ländern ist aus meiner Sicht ganz sicher sinnvoll. Ein nicht unerheblicher Teil der medizinischen Arbeit besteht aus Kommunikation – sowohl mit den Patienten, deren Angehörigen als auch unter Kollegen. Insofern begrüße ich persönlich einen solchen Test sehr.

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