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Juli 2021

telc international

Interview mit Angelo Siegel, Geschäftsführer Piefke Trading

In diesem Interview stellt Angelo Siegel, Geschäftsführer von Piefke Trading, die Besonderheiten des Verlagswesens in Südostasien vor. telc Lehrwerke und Zusatzmaterialien zum Unterrichten von Fachkräften sind dort mittlerweile Bestseller. Dennoch gibt es neben den Chancen auch unterschiedliche Herausforderungen, die es in diesen Ländern zu beachten gilt. Als langjähriger Vertriebspartner von telc in Südostasien kennt er die Gegebenheiten vor Ort und kann uns einen interessanten Einblick in seine Arbeit geben.

Piefke Trading vertreibt seit einigen Jahren telc Lehrwerke im südostasiatischen Raum und das sehr erfolgreich. Gibt es Unterschiede wie Bücher in Südostasien vertrieben werden im Vergleich zu Deutschland?

In vielerlei Hinsicht! Deutschland gehört zu einer Währungs- und Zollunion. Davon können Länder in Südostasien nur träumen. Südostasien hat mehr als 25.000 Inseln, elf  wirtschaftlich und zolltechnisch komplett unterschiedliche Länder. Die Union, die wir hier haben, ASEAN (Association of Southeast Asian Nations, Anm. der Redaktion), vereinfacht einiges, ist aber kein Vergleich zur EU. Zudem sind einige dieser Länder aufgrund ihrer politischen Ausrichtung sehr sensibel, wenn es um das Thema Unterrichtsmaterialien und Bücher geht.

Wirtschaftlich sind die Länder der ASEAN zudem sehr unterschiedlich. Aber in allen Ländern wird gutes Bildungsmaterial wertgeschätzt. Ein weiterer Vorteil ist, dass der E-Commerce als Standard viel stärker akzeptiert und propagiert wird. Es ist ein rein technischer Vorteil, und ich persönlich würde den physischen Buchladen sehr vermissen, aber es ist für den Verkauf definitiv einfacher.

Das Klima... Auch daran muss man sich anpassen. Bücher sind bei Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit anfälliger für den Verfall.

Hinzu kommt der Bildungshintergrund. In Malaysia zum Beispiel gibt es vier Hauptsprachen. Eine große Anzahl in der Bevölkerung kann ihre eigene Umgangssprache nicht lesen, sondern nur eine Drittsprache, die man persönlich nie spricht. Dies beeinflusst sehr stark die Affinität zum Lesen.

Welche Chancen sehen Sie mit der zunehmenden Digitalisierung im Verlagswesen?

Bei der Frage muss man auf jeden Fall unterscheiden zwischen Lehrbüchern und Romanliteratur. Im Bereich Romanliteratur ist die Digitalisierung sehr weit fortgeschritten und etabliert. Im Lehrwerksbereich ist das ein ganz anderer Aufwand. Digitale Materialien waren pre-covid eigentlich zu 100% nur zusätzlich, als Hilfe gedacht, niemals als kompletter Ersatz. Durch Covid-19 hat sich das über Nacht verändert. Ob man den digitalen Weg bevorzugt oder nicht, steht nicht mehr zur Debatte. Wenn man es nicht macht, kann man seine Institution schließen. Diese Realität tut weh und ist nicht angenehm. Und auch die Geschwindigkeit, in der diese Digitalisierung durchgesetzt werden muss, ist sehr problematisch. Die deutschen Verlage haben sich sehr schnell darauf eingestellt. Die Briten und die Franzosen sind immer noch nicht wirklich dabei (die Spanier waren schon vor Covid-19 komplett digital). Welche Chancen ergeben sich für das Verlagswesen? Es hängt sehr davon ab, wie die Institute post-covid weiter machen werden. Digital ist wirtschaftlich besser für den Verlag und erheblich umweltschonender. Ob sich das post-covid durchsetzen wird, ist noch die Frage. Ich denke es wird noch einige Jahre parallel laufen müssen, damit man eine richtige Antwort darauf bekommt.

Sie arbeiten eng mit Sprachschulen zusammen. Was ist ihr Feedback? Was gehört nach Aussage der Sprachschulen in ein gutes Lehrwerk?

Eine sehr interessante Frage, die einen wichtigen kulturellen Unterschied zur Bildung aufzeigt. Für viele Studierende liegt die Entscheidung, Deutsch zu lernen, nicht vorrangig im Wissenserwerb oder der Freude an der Sprache und der Kommunikation begründet, sondern für den Großteil geht es um die Sicherung der eigenen und familiären Lebensgrundlagen. Wirtschaftlich hat das erfolgreiche Sprachenlernen einen viel höheren Stellenwert und der Druck dahinter ist immens. Deshalb ist in vielen Ländern Südostasiens das Wichtigste, dass die Bücher wirklich auf die relevanten Prüfungen vorbereiten und ihnen dabei helfen, die erforderlichen Prüfungen mit Sicherheit zu bestehen. Das hat Vor- und Nachteile, ist aber als Feedback auf jeden Fall primär. Ein weiterer Gesichtspunkt, der nur schwer umzusetzen ist, aber von vielen Sprachschulen angesprochen wird, ist die „multilingual iliteracy", die Fähigkeit mehrere Sprachen zu sprechen, aber keine fließend zu lesen... Es ist schwierig das in einem Lehrwerk umzusetzen, ist aber sehr wichtig, sichdas im Unterricht vor Augen zu halten.

Geben Sie uns einen Ausblick für die nahe und ferne Zukunft. Was sind die Erfolgskriterien für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit diesen Bildungseinrichtungen?

Zukunftsprognosen... da sind Sie bei mir an der falschen Addresse ;-) Unsere Situation ist momentan so verwirrend und nicht planbar. Covid-19 scheint in einigen Ländern fast schon besiegt zu sein, und in anderen flammt es jetzt erst richtig auf. Nahe Zukunft: Abwarten und spontan reagieren. Loyalität hochhalten, Kunden verstehen und respektieren, da die Herausforderungen, die Schulen vor Ort meistern müssen, absolut nicht normal sind. Ferne Zukunft: Gerade im Bereich Pflege, der hier in Asien sehr wichtig ist, weiterhin versuchen alle Stakeholder an einen Tisch zu bekommen. Die Agenturen, die Sprachschulen und die Regierungen. Auch wenn ein Verlag normalerweise gar nicht die Aufgabe hat, da mitzumischen, ist es bei telc doch schon anders - telc ist mehr als ein Verlag und deshalb systemrelevant.

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