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Mai 2017

Wie geht’s Ihnen denn heute?

Modalpartikeln für Medizinerinnen und Mediziner

Modalpartikeln kommen nur in der gesprochenen Sprache vor. Sie sind das wichtigste Instrument der deutschen Sprache, um Gefühle auszudrücken. Deutschlernende haben große Schwierigkeiten, dieses sehr komplexe System zu erfassen und finden dadurch nur schwer Zugang zur emotionalen Seite der Aussagen deutscher Sprecher. Da dies aber absolut notwendig ist, um ein vertrauensvolles Verhältnis zu seinen Patienten, deren Angehörigen und natürlich auch zu Kolleginnen und Kollegen sowie dem Klinikpersonal zu erreichen, ist dieses Ausdrucksfeld genauso wichtig wie gute Beherrschung von Wortschatz und Grammatik – ein echtes „must have“, um authentisch und menschlich zu sprechen.

Viel aufmerksames Zuhören, wenn Muttersprachler reden, ist sehr wichtig, aber allein nicht wirklich hilfreich. Bitten Sie Ihre/n Deutschtrainer/in um systematische Erklärung, denn die ist möglich und notwendig, wenn man Partikeln verstehen und nutzen will. Die Beispiele in der Tabelle sollen Ihnen einen Eindruck verschaffen, geben aber bei weitem nicht den kompletten Formenbestand wieder.

Eine Warnung vorweg: Bitte benutzen Sie Modalpartikeln nur dann, wenn Sie sich über deren Wirkung wirklich im Klaren sind! Auch hier gilt: Man kann nicht nicht kommunizieren, und jedes dieser kleinen Wörter kann eine Emotion transportieren, die Sie vielleicht gar nicht zeigen wollten.

Zu Ihren Problemen als Deutschlerner im Einzelnen:

1. Jedes der Wörter hat eine „normale“ Bedeutung, die Sie kennen. Hier steht jetzt kein Beispielsatz, denn es fällt uns keiner ein :-). Als Modalpartikel verschwindet diese Bedeutung aber komplett und etwas ganz Neues entsteht. Sie müssen also immer entscheiden, ob das Wort jetzt als Standardwort oder als Partikel benutzt wird.

2. Eine direkte Übersetzung ist meist unmöglich, da die Sprechabsicht zu komplex ist.

3. Die meisten Modalpartikeln haben mehrere, oft völlig unterschiedliche oder sogar gegensätzliche emotionale Sprechintention, schauen Sie sich doch mal die Möglichkeiten für „denn“ an!

4. Für die richtige Position im Satz gibt es nur starke Tendenzen: Außer „eigentlich“ stehen Modalpartikeln nicht am Satzanfang, sondern nach dem Verb bzw. nach Objekten/Pronomen, die dem Verb folgen: „Das hab ich dir doch gesagt!“ „Hat er sie ihm denn gegeben?“

5. Richtige Betonung und Satzintonation sind sehr wichtig. Modalpartikeln dürfen, bis auf wenige Ausnahmen (in der Tabelle kursiv), nicht betont werden, das heißt, der Hauptakzent des Satzes (und auf Deutsch gibt es nur einen Hauptakzent im Satz) liegt meistens auf einem anderen Wort. Das ist meistens das Wort, das die wichtige neue Information des Satzes zum Inhalt hat. „Dann müssen Sie eben morgen wiederkommen!“ In den Beispielsätzen in der Tabelle ist deshalb der Hauptakzent fett.

6. In diesem Zusammenhang sind auch Intonation und Rhythmisierung der Sätze sehr wichtig, um verstanden zu werden. Üben Sie deshalb so oft wie möglich laut in Ihrem Deutschkurs und versuchen Sie immer, Deutsche intonatorisch zu imitieren.

7. Verlieren Sie nicht den Mut! Man kann das alles sehr gut erklären, erlernen und beherrschen! Es lohnt sich, Sie werden endlich richtig Deutsch klingen!

aber Das ist aber richtig unprofessionell gewesen!Kritik
aberDas ist aber schön, dass es Ihnen besser geht! Freudige Überraschung
bloßDieses Medikament ist schrecklich! Nehmen Sie das bloß nicht!Warnung
denn Was führt Sie denn zu mir, Frau Scholz?Freundliche, interessierte Frage
denn  Wie sind Sie denn auf die dumme Idee gekommen?Unfreundliche, aggressive Frage
doch mal bitte Schauen Sie doch mal bitte, wie man das Medikament einnimmt! Abgemilderter Imperativ, freundliche Aufforderung
ebenEs wirkt eben nicht.Resignation
eh / sowieso Das ist doch eh / sowieso sinnlos!  Resignation
einfachIst dein Stethoskop schon wieder kaputt? Dann nimm einfach meins! Problemlösung
eigentlich - aberEigentlich halte ich nichts von Alternativer Medizin, aber man kann’s ja mal probieren. Vorherige Meinung wird geändert
eigentlich Wer sind Sie eigentlich – ich will sofort den Chefarzt sprechen!Aggressive Geste
etwa Haben Sie das Medikament etwa nicht gegeben?Man befürchtet eine unangenehme Antwort
jaDas ist gefährlich, tun Sie das ja nicht!Warnung
jaIhre Werte sind ja richtig gut geworden! Überraschung
mal Können Sie mir mal helfen? Bitte
malKönnen Sie das mal übernehmen!?Zeitmangel, genervte Aufforderung
ruhigLassen Sie sich ruhig Zeit! Es eilt nicht! Ermunterung, keine Sorge!
ruhigRauchen Sie ruhig weiter (bis zum nächsten Herzinfarkt).Nicht ernst nehmen / ironisch
schonMorgen wird schon wieder alles in Ordnung sein.Beruhigung
vielleichtDas ist vielleicht eine unhöfliche Schwester!Verärgerung / Empörung


 Blogautoren: Markus Ammon und Jana Kirchberger

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